Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

298

Zweites  Buch.  Die  Gegner.

ist 1 ).  Es  ist  daher  nicht  am  Platze,  wenn  es  sich  um  eine  Nation,  wie  die
englische  handelt,  deren  Erziehung  in  dieser  Hinsicht  schon  abgeschlossen
ist,  und  ebensowenig  bei  einer  Nation,  die  keine  Fähigkeiten  und  keine
natürlichen  Hilfsmittel  hat,  die  ihr  gestatteten,  für  die  Zukunft  eine
industrielle  Entwicklung  zu  erhoffen.  Hierher  gehören  die  Nationen  der
tropischen  Zone,  die  auf  die  Landwirtschaft  beschränkt  zu  sein  scheinen,
während  die  Nationen  der  gemäßigten  Zonen  die  Möglichkeit  der  verschiedensten ­
  Produktionszweige  haben 2 ).
2.  Weiterhin  läßt  sich  der  Schutzzoll  nur  dann  rechtfertigen,  wenn  die
Nation,  um  die  es  sich  handelt,  in  ihrem  Fortschritt  durch  die  Konkurrenz
einer  machtvollen,  ausländischen  und  schon  weiter  entwickelten  Manufaktur ­
  behindert  wird 3 ).  Sie  befindet  sich  dann  in  der  Lage  „eines  Kindes
oder  Knaben  im  Ringkampf  mit  einem  erstarkten  Mann“,  und  wird
„schwerlich  obsiegen  oder  auch  nur  Widerstand  leisten  können“ 4 ).  Das
ist  gerade  der  Fall,  in  dem  sich  Deutschland  England  gegenüber  befindet.
Es  ist  höchst  lehrreich,  in  seinen  Briefen  an  Inueksoli,  die  Beschreibung,
die  er  von  dem  „dumping“  gibt,  zu  lesen,  dessen  Anwendung  heute  so
oft  den  Trusts  vorgeworfen  wird,  und  das  darin  besteht,  im  Auslande  die
Waren  billig  loszuschlagen,  deren  Preis  im  Inlande  hochgehalten  wird 5  *  *  *  *  10 ).

1 )  Nat.  Syst.  S.  272,  Cotta.  Ausg.  1841.
2 )  Ebenda,  S.  433  sagt  List:  „Im  Allgemeinen  dürfte  anzunehmen  sein,  daß
da,  wo  eine  Gewerbsindustrie  bei  einem  anfänglichen  Schutz  von  40  bis  60  Prozent
nicht  aufkommen  kann,  und  bei  einem  fortgesetzten  Sehutz  von  20  bis  30  Prozent
sich  nicht  auf  die  Dauer  behaupten  kann,  die  Grundbedingungen  der  Manufaktur
fehlen.“
3 )  Nat.  Syst.  S.  261,  Cotta.  Ausg.  1841.  „Einzig  bei  Nationen  der  letzteren
Art,nämlich  bei  denjenigen,  welche  alle  erforderlichen  geistigen  und  materiellen  Eigenschaften ­
  und  Mittel  besitzen,  um  eine  eigene  Manufakturkraft  zu  pflanzen  und  dadurch
den  höchsten  Grad  von  Zivilisation  und  Bildung,  von  materiellem  Wohlstand  und
politischer  Macht  zu  erstreben,  welche  aber  durch  die  Konkurrenz  einer  bereits  weiter
vorgerückten  auswärtigen  Manufakturkraft  in  ihren  Fortschritten  aufgehalten  werden,—
nur  bei  solchen  ist  die  Handelsbeschränkung  zum  Zweck  der  Pflanzung  und  Beschützung
einer  eigenen  Manufakturkraft  zu  rechtfertigen  ..  .“
*)  Nat.  Syst.  S.  146,  Cotta.  Ausg.  1841.  i
5 )  „Ein  jeder  weiß,  sagt  er  (nach  Hirst,  op.  cit.  infra,  S.  231ff.),  daß  die  Produktionskosten ­
  in  einer  Manufaktur  stark  von  der  erzeugten  Menge  abhängen  (Gesetz
des  wachsenden  Ertrages!)  ..  .  Dieser  Umstand  hat  einen  großen  Einfluß  auf  den
Aufschwung  oder  den  Niedergang  der  Manufakturkraft.  Wenn  einem  englischen
Fabrikanten  ausreichende  Absatzwege  im  Inland  garantiert  sind,  so  wird  ihm  damit
gewöhnlich  ein  regelmäßiger  Absatz  der  zum  Unterhalt  seiner  Manufaktur  nötigen
Menge  garantiert  (z.  B.  10  000  yards  zu  6  Dollar)  ...  Da  seine  Kosten  schon  durch
diesen  inländischen  Verkauf  gedeckt  sind,  werden  die  Herstellungskosten  für  weitere
10  000  yards  für  den  ausländischen  Markt  weniger  hoch,  und  er  erzielt  noch  einen
Gewinn,  wenn  er  sie  zu  4  und  sogar  nur  3  Dollar  den  Yard  verkauft  ..  .  Und  noch
besserer  kann  sich  einen  Profit  für  dieZukunft  schaffen,  sogar  wenn  er  für  denAugen*
blick  nichts  gewinnt,“  (indem  er  durch  seine  niedrigen  Preise  die  ausländischen  Fabrikanten ­
  ruiniert  und  später  an  ihre  Stelle  tritt).  —  Es  ist  das  ein  Beweis,  schließt  List,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.