Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  V.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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Kräfte,  die  in  einer  Gesellschaft  aufeinanderstoßen,  zu  versöhnen.  Mit
der  Lösung  dieser  schwierigen  Aufgabe  beschäftigt,  wurde  Proudhon
durch  den  Ausbruch  der  Revolution  von  1848  zu  tatkräftigem  Eingreifen
gezwungen  und  in  die  Notwendigkeit  versetzt,  seinen  Ideen  eine  konkrete,
leicht  faßliche  Form  zu  geben.  Anstatt  zu  kritisieren,  soll  er  jetzt  aufbauen! ­
  So  zimmert  er,  fast  gegen  seinen  Willen,  eine  Utopie  zurecht:  Die
Tauschbank  (La  Banque  d’echange).
Die  Lösung,  die  Andere  in  einer  Umwälzung  der  Produktion  oder
der  Güterverteilung  gesucht  hatten,  glaubt  Proudhon  in  einer  Reform
des  Umlaufs  zu  finden.  Der  Gedanke  ist  geistreich  und  verdient  in
einer  Geschichte  der  Doktrinen  aufgezeichnet  zu  werden,  weil  er  Wahres
mit  Falschem  vermischt  enthält,  und  auch,  weil  die  Bank  Proudhon’s
das  Vorbild  einer  Reihe  ähnlicher  Projekte  ist,  die  man  nicht  mit  Stillschweigen ­
  übergehen  kann.  In  diesem  Sinn  werden  wir  ihn  besprechen.
Wir  lassen  die  philosophischen,  moralischen  und  politisch-theoretischen
Ideen  Proudhon’s  beiseite 1 ).  Zwar  sind  sie  sicherlich  ebenfalls  interessant,
a ber  sie  beschäftigen  uns  nur  in  dem  Maße,  wie  sie  den  Volkswirtschaftler
Proudhon  beeinflußt  haben.

§  1.  Kritik  des  Eigentums  und  des  Sozialismus.
Das  Werk,  das  ihn  vom  Tage  seines  Erscheinens  an  zu  einer  Berühmtheit ­
  stempelte,  wurde  1840  veröffentlicht  und  hieß:  „Was  ist  das  Eigentum?“ ­
  (Qu’est-ce  que  la  propri6t6?).  .
Proudhon  war  damals  31  Jahre  alt 2 ).  Sein  Vater  war  ein  Brauei
Begriff  z.B.  auf  die  Organisation  der  Arbeit  anwenden,  „sagen  wir  nicht,  wie  die  Volkswirtschaftler, ­
  daß  sie  schon  organisiert  sei,  noch  auch  wie  die  Sozialisten,  daü  sie  oiganisiert
  werden  müsse,  sondern,  daß  sie  sich  organisiere,  d.h.,  daß  sie  seitdem  Anbeginn ­
  damit  beschäftigt  sei,  sich  zu  organisieren,  und  damit  bis  zum  Ende  der  ilinge
fortfahren  werde  .  .  die  ganze  Aufgabe  der  Wissenschaft  besteht  darin,  au  run
der  vorliegenden  Ergebnisse  und  der  in  der  Bildung  begriffenen  Phänomene  beständig
danach  zu  suchen,  welches  die  sofort  verwirklichbaren  Neuerungen  sind  (Dd.  l,  ö.4t>).
0  Man  findet  sie  höchst  eindrucksvoll  in  dem  Buche  Bougle  s.  La  Sociologie
6  Proudhon,  Paris,  1911  dargelegt.  ,
2 )  Die  hauptsächlichsten  Werke  Proudhon’s  sind  die  folgenden:  1840,  Qu  est-«e.que
  la  proprietö?  (Was  ist  das  Eigentum?  oder  Untersuchungen  über  das
Prinzip  des  Rechtes  und  der  Regierung;  —  1846,  Syst&mes  des  contradictions
Sconomiques,  ou  Philosophie  de  la  misöre  (Systeme  der  volkswirtschaftlichen  Widerspruche
  oder  Philosophie  des  Elends);  —  1848;  Organisation  du  crödit  et  de  la
c >rculation  et  solution  du  problöme  social  (Kredit  und  Umlauforganisation
«nd  Lösung  der  sozialen  Frage);—1848,  R6sum6  de  la  question  sociale,  Banque
^Change;  _  1849,  Los  Confessions  d’un  Rövolutionnaire;  -  1850,  Inl
 4r *‘  et  Principal  (Zinsen  und  Stammkapital),  Diskussion  zwischen  Bastut  und
^Roudhon;  —  1858,  De  la  Justice  dans  la  Revolution  et  dans  1  Eglise.
            
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