Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

die  Sache  der  Reformen  kompromittiert  hatten  —  ihrerseits  fehl.  Sie
verschwanden  teilweise  infolge  der  politischen  Umstände,  teilweise  aber
auch  infolge  der  Fehler,  die  die  Gründer  selbst  begingen,  weil  sie  noch
nicht  genügend  auf  die  Schwierigkeiten  der  Assoziation  vorbereitet  waren.
Sie  lassen  in  der  Arbeiterklasse  eine  tiefe  Entmutigung  und  die  Erinnerung
an  eine  große  Enttäuschung  zurück.
So  waren  einer  nach  dem  anderen  die  sozialistischen  Versuche  von
1848  gescheitert  und  zogen  in  ihren  Schiffbruch  die  Theorien  ihrer  Urheber ­
  mit  hinein.  Es  blieb  noch  ein  Versuch  übrig,  den  Proudhon  mit
seinem  Namen  gedeckt  hatte:  nämlich  der  unentgeltliche  Kredit.
Er  sollte  keinen  besseren  Erfolg  haben.

§  3.  Die  Theorie  der  Tauschbank.

Die  Revolution  von  1848  kam  Proudhon  nicht  überraschend.
Seiner  Meinung  nach  aber  kam  sie  zu  früh.  Er  sah  sehr  wohl,  daß  das
Hauptproblem,  das  sie  zu  lösen  hatte,  eher  ein  wirtschaftliches,  als  ein
politisches  war.  Er  verhehlte  sich  aber  nicht,  daß  die  Erziehung  der
Massen  noch  nicht  weit  genug  fortgeschritten  war,  um  eine  friedliche
Lösung  zu  ermöglichen.  Denn  es  ist  eine  friedliche  Lösung,  die  Proüdhon,
der  hierin  mit  allen  französischen  Sozialisten  seiner  Zeit  übereinstimmt,
für  die  soziale  Frage  erträumt 1 ).  Er  nennt  an  einer  Stelle  die  Februarrevolution ­
  „ein  zu  früh  geborenes  Kind“ 2 );  und  in  einem  ergreifenden
Aufsatz,  der  in  der  Zeitung  Le  Peuple  erschien,  gibt  er  der  tiefen  Sorge
Ausdruck,  die  ihn  erfüllt,  als  er  die  Revolution  näher  und  näher  kommen
sieht  und  sich  bewußt  wird,  daß  niemand  vorhanden  ist,  der  „den  Schlüssel
oder  die  Kenntnisse“  besitzt,  um  sie  zu  einem  guten  Ende  zu  führen:
„Wie  sollten  mir  nicht  die  Tränen  gekommen  sein,  wenn  ich  der
armen  Arbeiter  gedachte,  die  ich  im  Voraus  der  Arbeitslosigkeit  und
jahrelangem  Elend  überliefert  sah,  jener  Arbeiter,  deren  Verteidigung
ich  mein  Leben  geweiht  habe,  und  denen  ich  nun  in  keiner  Weise  helfe 11
konnte.  Wie  sollte  ich  nicht  geweint  haben,  wenn  ich  an  das  Bürgertum
dachte,  das  ich  ruiniert  sah,  dem  Bankerott  ausgeliefert,  gegen  das  Proletariat ­
  aufgehetzt,  an  das  Bürgertum,  gegen  das  der  Antagonismus  der
Ideen  und  die  Fatalität  der  Umstände  mich  zu  kämpfen  zwingen  sollten,
während  ich  mehr  als  irgendein  Anderer  bereit  war,  es  zu  beklagen.  Schon

‘)  „Es  ist  selbstverständlich  und  es  sollte  nicht  nötig  sein,  hierauf  beson«
hinzuweisen,  daß  diese  Reform  (die  Abschaffung  des  Eigentums)  durchaus  f iskal ‘
zu  bleiben  hat  und  ohne  Gewaltmaßregeln,  ohne  Beraubung,  ohne  Besitzwegna  i  ^
und  auf  Grund  einer  vorher  fälligen  Entschädigung  zu  geschehen  hat“  (Rösum
la  question  sociale,  S.  27).
2 )  Solution  du  probleme  social,  S.  32  (Bd.  VI  der  (Euvres  comp 1
            
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