Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

erleidet.  Denn  sonst  würden  die  Umlaufbons,  anstatt  regelmäßig  zur
Bank  zurüekzukehren,  im  Umlauf  bleiben.  Sollte  eine  irgendwie  bedeutende ­
  Krisis  auftreten,  und  viele  der  Anhänger  der  Bank  in  Zahlungsschwierigkeiten ­
  geraten,  so  würde  die  Summe  des  Nennwertes  der  Umlaufbons ­
  sehr  schnell  den  Wert  der  Waren,  die  sie  vorstellen,  übersteigen.
Die  Bons  würden  sofort  an  Wert  verlieren,  und  die  Kunden  selbst  würden
sich  weigern,  sie  an  Zahlungsstatt  anzunehmen.
Man  kann  sich  daher  sehr  wohl  die  Möglichkeit  eines  Umlaufs  dieser
Bons  vorstellen,  —  aber  dieser  Umlauf  würde  stets  nur  auf  einen  kleinen
Kreis  beschränkt  bleiben,  und  als  erste  unvermeidliche  Bedingung  die
fast  vollständige  Zahlungsfähigkeit  der  Kunden  voraussetzen.
2.  Nehmen  wir  aber  an,  daß  diese  praktische  Bedingung  erfüllt  sei,
und  daß  diese  Bons  im  Umlauf  wären:  würde  der  „Zins“  deshalb  verschwunden ­
  sein?  In  keiner  Weise,  und  hierin  liegt  der  Grundirrtum
des  Gedankens.
Weshalb  erhebt  die  Banque  de  France  einen  Diskont?  Einfach
deshalb,  behauptet  Proüdhon,  weil  sie  Bargeld  an  Stelle  von  Wechseln
gibt,  so  daß  das  „Herrenrecht,  das  man  Diskont  nennt“ 1 ),  da  es  nur
von  dem  Gebrauch  von  Metallgeld  herrührt,  mit  seiner  Abschaffung
verschwinden  müßte.  —  Das  ist  ein  Irrtum.  Wenn  die  Bank  sich  einen
Diskont  zahlen  läßt,  so  beruht  das  darauf,  daß  sie  heute  eine  sofort  verwertbare ­
  Ware  liefert  gegen  den  Wert  eines  Wechsels,  der  erst  in  einigen
Monaten  realisierbar  ist.  Sie  gibt  daher  eine  Wirklichkeit  in  Tausch  gegm*
ein  Versprechen,  ein  schon  jetzt  verfügbares  Gut  in  Tausch  gegen  ein
erst  später  verfügbares.  Was  die  Bank  erhebt,  ist  der  Unterschied  zwischen
dem  Wert  des  Wechsels  am  Tage,  an  dem  sie  ihn  diskontiert,  und  seinem
Wert  am  Tage  des  Verfalls,  ein  Unterschied,  der  nicht  von  dem  Willen
der  Bank,  oder  von  dieser  oder  jener  Geldart  abhängt,  sondern  in  der  Natur
der  Sache  liegt.  Proüdhon  kann  tun,  was  er  will,  der  Terminhandel
und  der  Verkauf  gegen  bar  sind  und  bleiben  zwei  ganz  verschiedene  Vorgänge ­
 2 ),  solange  als  der  tatsächliche  gegenwärtige  Besitz  eines  Gutes
für  vorteilhafter  betrachtet  wird,  als  sein  späterer  Besitz.
Dieser  Unterschied  würde  auch  bei  der  Tauschbank  sehr  bald  wied fir
zutage  treten,  und  zwar  auf  folgende  Weise.  Alle  „Umlaufbons“  stelle 0
Waren  vor,  die  für  einen  späteren  Zeitpunkt  verkauft  sind.  Wenn  dj®
Bank  darauf  verzichtet,  einen  Diskont  zu  erheben,  so  berührt  das  nim 1
>)  Organisation  du  cr6dit,  (Euvres,  Bd.  VI,  S.  113—114.  .  0 j
2 )  Proüdhon  erklärt  beständig,  daß  seine  Reform  darin  bestehe,  den  , n)
auf  Kredit  in  einen  Verkauf  gegen  bar  zu  verwandeln.  Ebensogut  kann  man  aber  sag“
daß  man  von  jetzt  ab  weiß  mit  schwarz,  und  schwarz  mit  weiß  bezeichnen  wird,
entfernt,  die  Reziprozität  im  Austausch  zu  verwirklichen,  räumt  man  dem
einen  Vorteil  ein  „Kredit  geben,  bedeutet  austauschen“  sagt  Proüdhon  noch-  ^
recht,  aber  gerade  der  Diskont  stellt  in  dieser  besonderen  Austauschoperation,
man  Kredit  nennt,  die  Gleichheit  der  Werte  her.
            
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