Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848.
345
Rubriken, eine für die Eintragungen der Einnahmen, die andere für die
der Auszahlungen. „Im Falle des Verkaufs eines Gegenstandes würde
sich die Zahlung einer Schuld wie folgt vollziehen: der Käufer muß das
Scheckbuch des Verkäufers in der Rubrik der Einkünfte lochen, während
dieser letztere das Scheckbuch des Käufers in der Kolonne Ausgabe
locht.“ Wenn das Buch einmal bis zum vollen Betrage der anfänglichen
Summe gelocht ist, wird es dem Staatsbureau wieder zugestellt, wo
alle Eintragungen dieses Buches auf das Konto der betreffenden Person
übertragen werden, „so daß man stets mit einer genügenden Genauig
keit die Gesamtsumme der Ausgaben und Einnahmen eines jeden kennt 1 ).
Der Vorteil dieses Systems soll zunächst darin liegen, das Metall
geld zu ersparen. In zweiter Stelle wird es dem Staat (in dem Gedanken
Solvay’s) ein praktisches und sicheres Mittel liefern, mit hinreichender
Sicherheit das Vermögen eines jeden zu kennen. Der Staat würde daher
in seinen Händen ein Mittel haben, die Erbanfallsteuern festzusetzen,
so daß er imstande wäre, die Vererbung erworbener Vermögen nach und
nach abzuschaffen. Diese nach und nach verwirklichte Abschaffung
würde es zum Schluß erlauben, „die größte Ungerechtigkeit der modernen
Gesellschaften, die Ungleichheit am Ausgangspunkt“, zum Verschwinden
zu bringen 2 ) und das Prinzip der gerechten Verteilung anzuwenden:
e inem jeden nach seiner Produktivität. Dieser Gedanke hat viel mehr
von Saint-Simon als von Proudhon an sich.
Die Tragweite der vorgeschlagenen Reform leuchtet ohne weiteres
eiß- In den Augen Solvay’s ist das „Buchungssystem“ nur ein Be
standteil einer allgemeineren Auffassung, nämlich des „Produktivis-
^os“, der darin besteht, die soziale Produktivität durch eine sehr
verschiedene Mittel umfassende Gesamtordnung auf ihr Maximum zu
bringen 3 ).
Es ist unmöglich, hierin irgendeinen der Gedanken Proudhon s
wiederzufinden. Abgesehen von der Abschaffung des Metallgeldes ist
^Res in den beiden Vorschlägen verschieden. Solvay strebt nicht danach,
den Zins vollständig zu beseitigen und er bildet sich auch nicht ein, daß
das Geld die Ursache des Zinses sei. Das System der Schecks und der
Zahlungsüberweisungen hat nur den Zweck, die Barverkäufe zu er-
eichtern, ohne etwas mit dem System Proudhon’s zu tun zu haben,
wo der „Umlaufbon“ bestimmt ist, den Barverkauf mit dem Kreditverkauf
zu identifizieren 4 ).
1 ) Annales de l’Institut Solvay, Bd. I, S. 19.
2 ) Annales de l’Institut Solvay, Bd. I, S. 25.
, 3 > Vgl. Principes d’orientation sociale. Zusammenfassung der Unter-
suchungen Solvay’s über den Produktivismus und dem Comptabilismus, S. 82; Brussel
■h 92 Seiten.
p 1 Wenn uns auch die Auffassung Solvay’s durchaus verschieden von der Theorie
«oudhon’s erscheint, so ähnelt sie doch einer in der Kommission des Luxemburg-