Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  V.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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Rubriken,  eine  für  die  Eintragungen  der  Einnahmen,  die  andere  für  die
der  Auszahlungen.  „Im  Falle  des  Verkaufs  eines  Gegenstandes  würde
sich  die  Zahlung  einer  Schuld  wie  folgt  vollziehen:  der  Käufer  muß  das
Scheckbuch  des  Verkäufers  in  der  Rubrik  der  Einkünfte  lochen,  während
dieser  letztere  das  Scheckbuch  des  Käufers  in  der  Kolonne  Ausgabe
locht.“  Wenn  das  Buch  einmal  bis  zum  vollen  Betrage  der  anfänglichen
Summe  gelocht  ist,  wird  es  dem  Staatsbureau  wieder  zugestellt,  wo
alle  Eintragungen  dieses  Buches  auf  das  Konto  der  betreffenden  Person
übertragen  werden,  „so  daß  man  stets  mit  einer  genügenden  Genauigkeit ­
  die  Gesamtsumme  der  Ausgaben  und  Einnahmen  eines  jeden  kennt  1 ).
Der  Vorteil  dieses  Systems  soll  zunächst  darin  liegen,  das  Metallgeld ­
  zu  ersparen.  In  zweiter  Stelle  wird  es  dem  Staat  (in  dem  Gedanken
Solvay’s)  ein  praktisches  und  sicheres  Mittel  liefern,  mit  hinreichender
Sicherheit  das  Vermögen  eines  jeden  zu  kennen.  Der  Staat  würde  daher
in  seinen  Händen  ein  Mittel  haben,  die  Erbanfallsteuern  festzusetzen,
so  daß  er  imstande  wäre,  die  Vererbung  erworbener  Vermögen  nach  und
nach  abzuschaffen.  Diese  nach  und  nach  verwirklichte  Abschaffung
würde  es  zum  Schluß  erlauben,  „die  größte  Ungerechtigkeit  der  modernen
Gesellschaften,  die  Ungleichheit  am  Ausgangspunkt“,  zum  Verschwinden
zu  bringen 2 )  und  das  Prinzip  der  gerechten  Verteilung  anzuwenden:
e inem  jeden  nach  seiner  Produktivität.  Dieser  Gedanke  hat  viel  mehr
von  Saint-Simon  als  von  Proudhon  an  sich.
Die  Tragweite  der  vorgeschlagenen  Reform  leuchtet  ohne  weiteres
eiß-  In  den  Augen  Solvay’s  ist  das  „Buchungssystem“  nur  ein  Bestandteil ­
  einer  allgemeineren  Auffassung,  nämlich  des  „Produktivis-^os“,
  der  darin  besteht,  die  soziale  Produktivität  durch  eine  sehr
verschiedene  Mittel  umfassende  Gesamtordnung  auf  ihr  Maximum  zu
bringen 3 ).
Es  ist  unmöglich,  hierin  irgendeinen  der  Gedanken  Proudhon  s
wiederzufinden.  Abgesehen  von  der  Abschaffung  des  Metallgeldes  ist
^Res  in  den  beiden  Vorschlägen  verschieden.  Solvay  strebt  nicht  danach,
den  Zins  vollständig  zu  beseitigen  und  er  bildet  sich  auch  nicht  ein,  daß
das  Geld  die  Ursache  des  Zinses  sei.  Das  System  der  Schecks  und  der
Zahlungsüberweisungen  hat  nur  den  Zweck,  die  Barverkäufe  zu  ereichtern,
  ohne  etwas  mit  dem  System  Proudhon’s  zu  tun  zu  haben,
wo  der  „Umlaufbon“  bestimmt  ist,  den  Barverkauf  mit  dem  Kreditverkauf
zu  identifizieren 4 ).
1 )  Annales  de  l’Institut  Solvay,  Bd.  I,  S.  19.
2 )  Annales  de  l’Institut  Solvay,  Bd.  I,  S.  25.
,  3 >  Vgl.  Principes  d’orientation  sociale.  Zusammenfassung  der  Untersuchungen
  Solvay’s  über  den  Produktivismus  und  dem  Comptabilismus,  S.  82;  Brussel
■h  92  Seiten.
p  1  Wenn  uns  auch  die  Auffassung  Solvay’s  durchaus  verschieden  von  der  Theorie
«oudhon’s  erscheint,  so  ähnelt  sie  doch  einer  in  der  Kommission  des  Luxemburg-
            
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