Kapitel I. Die Optimisten.
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vorgibt, die Konkurrenz durch die Kooperation zu ersetzen, sobald sie
im Namen der Solidarität von dem Individuum gewisse Opfer zugunsten
der Allgemeinheit verlangt, dann ruft die individualistische liberale Schule.
»Halt!“ Und auch in ihren abgeschwächten und spezialisierten Formen
wie Kooperativismus, Mutualismus oder Gewerkschaftswesen erschien
ihr das Programm des Assozialismus (und erscheint ihr auch heute noch)
als trächtig mit Illusionen und Enttäuschungen 1 ).
Der Optimismus der französischen Schule charakterisiert sich daher
hauptsächlich durch einen absoluten Glauben an die Freiheit. Es ist
das das besondere Kennzeichen der Schule, das seit mehr als anderthalb
Jahrhunderten sich nie geändert hat, seit den Physiokraten bis heute.
Oftmals hat sie durch den Mund ihrer bedeutendsten Vertreter erklärt,
daß sie alle Etiketten wie „orthodox“ oder „klassisch“, die man ihr auf
zwingen wollte, zurückweise und keinen anderen Namen als den der „frei
heitlichen“ Schule begehre 2 ).
Ferner charakterisiert sie sich durch eine gewisse Härte gegenüber
dem Elend des Volkes. — Wohl hat die Wissenschaft nichts mit senti
mentalen Gefühlen zu tun, — aber wir sprechen hier von einer gewissen
Tendenz, die schon bei Malthus stark hervortritt, zu glauben, daß das
Elend des Volkes seinen eigenen Fehlern zuzuschreiben ist, seinen eigenen
Lastern oder doch wenigstens seinem Mangel an Voraussicht. In diesem
Sinne scheut sich Dunoyer nicht, den furchtbaren Satz auszusprechen:
»Es ist gut, daß es in der Gesellschaft eine Unterwelt gibt. Die Familien,
me sich schlecht aufführen, laufen Gefahr, in ihr zu versinken, und nur
ndurch, daß sie sich gut aufführen, können sie sich wieder emporarbeiten.
Diese Unterwelt ist das Elend“ 3 ). Die liberale Schule war reif, den, der
ziati oni , UN0YER sa gt: „Man vertiefe sich so viel man will in die Frage der Asso-
e 'Qe ve!- 11 " ,T f an w ' r< ^ ^ arin niemals das finden, was man in ihnen sucht: ein Mittel,
du Tr-," 11,1 ,^ e ur “d gerechte Verteilung der Arbeitserzeugnisse zu sichern.“ (Liberty
m^va.l, Bd. II, s. 397.)
als die d ani ? 01e . r Stelle versichert er, daß die Assoziation „die soziale Moral noch mehr
iiti N am 6S Individuums verdorben hat, weil man alles für erlaubt hielt, solange man
hier hau^ ? Assoziation handelte“ (ebenda, S. 136). Allerdings handelt es sich
a 'lgemeint> S B d ^ Um ' lor P oraf: * vo Assoziation, doch hat diese Beurteilung eine
der Weh e *ner internationalen Versammlung Von Volkswirtschaftlern zur Zeit
Schule T ausste J un g im Juli 1900 sagte einer der gemäßigten Anhänger der liberalen
r vasseur (Journal des ficonomistes, 15. Aug. 1900):
kennen d' |.. uil nötig, Unterscheidungen zwischen uns zu machen; in dieser Hinsicht
*n mehre'/ l , ) ra ^ en Volkswirtschaftler nicht verschiedener Meinung sein. Sie können
sie sind / 'i, Punkten betreff der Anwendung verschiedene Ansichten haben, aber
er *°lgreicli ^ )er J as Prinzip der Freiheit einig. Je freier der Mensch ist, um so
Anreg U ju, ( / r /■? <1 machtvoller schafft er Güter. Je größer die Freiheit ist, um so mehr
t ’i®er JLj S 1 "* es zur Arbeit und zur Anspannung der Intelligenz, um so mehr Reich
werden produziert.
, a !bert6 du travail, S. 409.
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R ist, Gesell, d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen- 2.Aufl.
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