Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Bach.  Der  Liberalismus.

die  Freiheit  erst  sehr  unvollkommen  verwirklicht  wäre,  und  daß  infolge'
dessen  das  beste  Heilmittel  gegen  dieses  Übel  darin  bestände,  diese  Freiheit ­
  in  noch  vollkommenerer  Weise  zu  verwirklichen 1 ).  Zum  Beispiel
ist  für  sie  die  Freiheit  der  Arbeiter  das  beste  Mittel,  die  Ausbeutung  des
Arbeiters  zu  verhindern  und  die  Löhne  zu  erhöhen.  So  schreibt  Emil®
Olivier,  der  Verfasser  des  Gesetzes  von  1864,  das  die  Strafen  gegen
die  Koalitionen  aufhob:  „Die  Koalitionsfreiheit  ist  der  Tod  der  Streiks.
So  führt  auch  die  Darlehenfreiheit  nach  ihrer  Meinung  zum  Verschwinden
des  Wuchers,  und  die  Handelsfreiheit  genügt,  um  der  Verfälschung  der
Lebensmittel  und  der  Herrschaft  der  Trusts  Einhalt  zu  tun.  Im  Allgemeinen
wird  die  Konkurrenz  in  der  Produktion  die  Billigkeit  und  in  der  Verteilung
die  Gerechtigkeit  sicher  stellen 2 ).
Ihr  Optimismus  hat  noch  diese  Besonderheit,  daß  sich  ihm  ein  absoluter ­
  Pessimismus  in  Hinsicht  auf  die  Wirksamkeit  aller  sogenannten
sozialen  Reformen  zugesellt  und  ihn  bestärkt,  sowohl  in  bezug  auf  die
Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen  der  Arbeitgeber  wie  auf  die  Einmischung
des  Staates  und  des  Gesetzgebers  zum  sogenannten  Schutze  der  Schwachen-Wenn
  man  ihnen  glauben  wollte,  so  würde  die  Freiheit  zum  Schluß  die
Übel,  die  sie  anscheinend  schafft,  heilen,  während  die  Einmischung  des
Staates  die  Übel,  die  sie  zu  heilen  scheint,  immer  vergrößert 3 ).
Noch  merkwürdiger  erscheint  aber,  daß  der  Assozialismus,  wie  ' vir
ihn  in  dem  vorhergehenden  Kapitel  dargelegt  haben,  in  den  Augen  d er
französischen  Schule  nicht  mehr  Gnade  findet,  als  der  Staatssozialismus-Zwar
  hat  die  liberale  Schule  nicht  das  ganze  Mißtrauen  der  französische 11
Revolution  gegen  das  Recht  der  Assoziation  restlos  übernommen.  ^ ,e
verurteilt  nicht  mehr,  ja  sie  verlangt  sogar  formell  die  Freiheit  der  Asse*
ziation  in  der  Politik,  in  der  Religion,  in  der  Industrie,  im  Handel  un
in  der  Arbeit,  einschließlich  sogar  des  Koalitionsrechtes,  mit  einem  W 0 ’’.’
sie  verlangt  diese  Freiheit  überall  dort,  wo  die  Assoziation  nur  die  io®
viduelle  Tätigkeit  schützt  oder  stärkt;  —  sobald  aber  die  Assoziativ
sich  als  ein  Instrument  der  sozialen  Umformung  darstellt,  sobald  s ‘ e

D  „Ach,  man  hat  so  vieles  versucht!  Wann  wird  man  endlich  einen  Vcrs' 1 ^’
mit  dem  einfachsten  machen:  der  Freiheit?“  (Bastiat,  Harmonies,  Kap.  IV,  S.  1“  '
2 )  Einer  der  Teile  des  Buches  Dunoyer’s  über  La  Liberty  du  travail  trag
als  Überschrift:  „Wie  das  wahre  Mittel  den  Übeln  zu  steuern,  unter  denen  die  Arbei
klassen  leiden,  in  der  Ausdehnung  der  Konkurrenz  liegt“  (Kap.  X,  B.  4,  §  18 K- ese s
An  anderer  Stelle  sagt  Dunoyer:  „In  Wirklichkeit  ist  es  die  Konkurrenz,  die . st>
angebliche  Element  der  Uneinigkeit,  das  das  wahre  Band,  der  festeste  Knoten
der  alle  Teile  des  sozialen  Körpers  miteinander  verbunden  hält.“
3 )  Sobald  „die  Befriedigung  eines  Bedürfnisses  Gegenstand  einer  öff entl J c ^ er ,

Behörde  wird,  hat  das  Individuum  .  .  .  einen  Teil  seiner  freien  Selbstbestimmung

loren,  wird  es  weniger  fortschrittlich,  ist  es  weniger  menschlich  .  .  .  Diese  bi®

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Lähmung,  von  dem  es  befallen  wird,  befällt  aus  dem  gleichen  Grunde  alle  an'
Bürger“  (Bastiat,  Harmonies,  Kap.  XVII,  S,  545).

deren
            
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