Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Optimisten. 
357 
der Bourgeois-Nationalökonomie betrachtet worden. Nicht nur Proudhon, 
sondern auch Lassalle in seiner berühmten Broschüre: Bastiat Schulze- 
Delitzsch, und nach ihnen Cairnes, Sidgwick, Marshall, von Böhm- 
Bawerk usw. haben in ihm nur den Advokaten der geltenden wirtschaft 
lichen Ordnung gesehen. Sie sprechen ihm jede wissenschaftliche Be 
deutung ab. Nach ihnen sind seine Schriften weiter nichts als eine breitere 
Fassung von Franklin’s „Weisheit des armen Richard“, wo Gleich 
nisse an Stelle von Beweisen treten, und die so berühmte Klarheit seines 
Stiles liege nur daran, daß er nichts zu sagen habe. 
Bastiat verdient jedoch eine bessere Beurteilung. Der Mann, der 
geschrieben hat: „Wenn ich das Unglück hätte, in dem Kapital nur den 
Vorteil des Kapitalisten zu sehen, würde ich Sozialist werden“, und weiter 
hin: „die national-ökonomische Wissenschaft bedarf dringend einer Unter 
suchung über die Geschichte der Ausbeutung (Spoliation)“, ein solcher 
Mann ist mehr als nur ein „guter Bourgeois“. Allerdings hat er den Optimis 
mus übertrieben, wie ebenso den Liberalismus, den Moralismus und den 
hinalismus der französischen Schule; sein Unglück wollte, daß er den 
Höhepunkt dieser Lehre bezeichnete, nach dem unabänderlich die Reaktion 
eiusetzen mußte, so daß er den ganzen Gegenstoß erhielt, der sein Werk 
wie weggeweht hat. 
Wenn nun allerdings die Argumente Bastiat’s gegen den Sozialismus 
veraltet sind — ebenso wie übrigens die speziellen sozialistischen Organi 
sationsmethoden, gegen die sie sich richteten — so kann man doch nicht 
dasselbe über seine Beweisführung gegen das Schutzsystem sagen. Hier 
ist er nicht ohne jeden Einfluß geblieben. Allerdings ist es ihm nicht 
gelungen, die Schutzzollpolitik mattzusetzen, jedoch hat er die Nichtigkeit 
einer gewissen Anzahl ihrer Argumente endgültig bewiesen. Wenn uns 
heute die Protektionisten nicht mehr mit „der Überschwemmung oder 
iider Überflutung“ durch fremde Produkte drohen, wenn das alte und 
erühmte Argument der „nationalen Arbeit“ nur noch gedämpft erklingt, 
g(Mt » h.b„, der *» di«7‘ 
Molinari (Journal des fieonomistes, Februar nicht vergessen werden, 
Diese biographischen Einzelheiten 1 ‘“ r ° „LtitninK Mangel an wissenschaftlicer 
die Bastiat, übrigens nicht ohne gewisse ere J Journalist als Volkswirtschafter 
Bildung vorwerfen und ihn sogar beschuld.gen, mehr Journ 
Wesen zu soiri 
- .»oii iu sein. ATaiinnalökonomen streng abfällig beurteilt 
Wenn Bastiat von den ausländischen vo i ks tümlich geblieben. Sem a z 
»erden ist, so ist er doch in Frankreich sehr k Aug{ährung e twas oberflächlich, 
etwas grob, seine Ironie etwas schwerfällig, seine Klarheit hinterlassen einen 
aber sein Maßhalten, sein gesunder Verstand da ß seine Harmomes und seine 
unvergeßlichen Eindruck. Ich möchte fast s g , ^ man eincm jungen Menschen, 
Pamphlets auch heute noch das beste Buch sin , Nationalökonomie befassen will, 
dcr sich zum ersten Male mit dem Studiur ^ ^ rcin w i S senschaftlichen 
empfehlen kann. Wir werden übrigens *U t bedeutungslos sind. 
Gesichtspunkt aus seine Beiträge durchaus
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.