Kapitel I. Die Optimisten.
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der Bourgeois-Nationalökonomie betrachtet worden. Nicht nur Proudhon,
sondern auch Lassalle in seiner berühmten Broschüre: Bastiat Schulze-
Delitzsch, und nach ihnen Cairnes, Sidgwick, Marshall, von Böhm-
Bawerk usw. haben in ihm nur den Advokaten der geltenden wirtschaft
lichen Ordnung gesehen. Sie sprechen ihm jede wissenschaftliche Be
deutung ab. Nach ihnen sind seine Schriften weiter nichts als eine breitere
Fassung von Franklin’s „Weisheit des armen Richard“, wo Gleich
nisse an Stelle von Beweisen treten, und die so berühmte Klarheit seines
Stiles liege nur daran, daß er nichts zu sagen habe.
Bastiat verdient jedoch eine bessere Beurteilung. Der Mann, der
geschrieben hat: „Wenn ich das Unglück hätte, in dem Kapital nur den
Vorteil des Kapitalisten zu sehen, würde ich Sozialist werden“, und weiter
hin: „die national-ökonomische Wissenschaft bedarf dringend einer Unter
suchung über die Geschichte der Ausbeutung (Spoliation)“, ein solcher
Mann ist mehr als nur ein „guter Bourgeois“. Allerdings hat er den Optimis
mus übertrieben, wie ebenso den Liberalismus, den Moralismus und den
hinalismus der französischen Schule; sein Unglück wollte, daß er den
Höhepunkt dieser Lehre bezeichnete, nach dem unabänderlich die Reaktion
eiusetzen mußte, so daß er den ganzen Gegenstoß erhielt, der sein Werk
wie weggeweht hat.
Wenn nun allerdings die Argumente Bastiat’s gegen den Sozialismus
veraltet sind — ebenso wie übrigens die speziellen sozialistischen Organi
sationsmethoden, gegen die sie sich richteten — so kann man doch nicht
dasselbe über seine Beweisführung gegen das Schutzsystem sagen. Hier
ist er nicht ohne jeden Einfluß geblieben. Allerdings ist es ihm nicht
gelungen, die Schutzzollpolitik mattzusetzen, jedoch hat er die Nichtigkeit
einer gewissen Anzahl ihrer Argumente endgültig bewiesen. Wenn uns
heute die Protektionisten nicht mehr mit „der Überschwemmung oder
iider Überflutung“ durch fremde Produkte drohen, wenn das alte und
erühmte Argument der „nationalen Arbeit“ nur noch gedämpft erklingt,
g(Mt » h.b„, der *» di«7‘
Molinari (Journal des fieonomistes, Februar nicht vergessen werden,
Diese biographischen Einzelheiten 1 ‘“ r ° „LtitninK Mangel an wissenschaftlicer
die Bastiat, übrigens nicht ohne gewisse ere J Journalist als Volkswirtschafter
Bildung vorwerfen und ihn sogar beschuld.gen, mehr Journ
Wesen zu soiri
- .»oii iu sein. ATaiinnalökonomen streng abfällig beurteilt
Wenn Bastiat von den ausländischen vo i ks tümlich geblieben. Sem a z
»erden ist, so ist er doch in Frankreich sehr k Aug{ährung e twas oberflächlich,
etwas grob, seine Ironie etwas schwerfällig, seine Klarheit hinterlassen einen
aber sein Maßhalten, sein gesunder Verstand da ß seine Harmomes und seine
unvergeßlichen Eindruck. Ich möchte fast s g , ^ man eincm jungen Menschen,
Pamphlets auch heute noch das beste Buch sin , Nationalökonomie befassen will,
dcr sich zum ersten Male mit dem Studiur ^ ^ rcin w i S senschaftlichen
empfehlen kann. Wir werden übrigens *U t bedeutungslos sind.
Gesichtspunkt aus seine Beiträge durchaus