Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

so  ist  dies,  was  allzu  oft  vergessen  wird,  ein  Erfolg  der  bewunderungswürdigen ­
  kleinen  Aufsätze,  wie  z.  B.  der  „Petition  der  Kerzenmacher“
oder  „die  Petition  der  linken  Hand  gegen  die  rechte“.  Niemals  wird  man
besser  als  Bastiat  die  lächerlichen  Folgen  darlegen,  die  sich  ergeben,
wenn  man  einen  Tunnel  durch  die  Berge,  die  die  Länder  trennen,  bohrt,
um  den  Handel  zu  erleichtern,  und  nachher  eine  Zollschranke  an  jedem
Ende  aufrichtet;  —  oder  den  Widerspruch,  der  darin  liegt,  dem  Großgrundbesitzer ­
  oder  dem  Kapitalisten  durch  einen  Zollschutz  ein  Minimum
von  Einkommen  zu  garantieren,  und  dem  Arbeiter  einen  Minimallohn'  zu
verweigern;  —  oder  weiter,  daß  der  Zoll  eine  schwieriger  zu  verteidigende
Abgabe  als  die  wirkliche  Steuer  ist,  denn  während  diese  dem  Individuum
zum  Vorteil  der  Gesellschaft  auferlegt  wird,  belastet  jener  Alle  zum  Nutzen
Einiger.
Weniger  glücklich  ist  er  von  seinem  Standpunkt  eines  ausschließlichen ­
  Individualismus  und  in  seiner  Tendenz  zu  übertriebener  Vereinfachung ­
  gewesen,  wenn  er  den  Tausch  zwischen  Individuen  auf  absolut
gleichen  Fuß  mit  dem  Tausch  zwischen  Nationen  stellt,  oder  wenn  er  in
mehr  belustigenden  als  treffenden  Gleichnissen  nachzuweisen  versucht,
daß  die  Vorteile  des  internationalen  Handels  für  ein  Land  um  so  größer
seien,  je  ungünstiger  seine  Handelsbilanz  sei,  oder  daß  hauptsächlich  die
ärmsten  Nationen  vom  internationalen  Handel  profitieren 1 ).
Was  den  konstruktiven  Teil  des  Werkes  Bastiat’s  anlangt,  so  besteht
er  in  dem  Nachweis:  „daß  die  allgemeinen  Gesetze  der  sozialen  Welt
harmonisch  sind:  sie  streben  in  allen  Richtungen  nach  einer  Vervollkommnung ­
  des  Menschengeschlechtes“.  Und  doch  sieht  man  beim  ersten
Blick  überall  nur  Unordnung!  Er  antwortet  hierauf  mit  dem  unvergeßlichen ­
  Gleichnis:  „Das,  was  man  sieht,  und  das,  was  man  nicht
sieht“,  in  dem  er  ausführt,  daß  man  sich  nicht  auf  das  verlassen  dürfe,
„was  man  sieht“,  und  daß  das,  „was  man  nicht  sieht“  viel  öfter  die  Wahrheit ­
  ist;  daß  die  augenscheinlichsten  Gegensätze,  wenn  man  sie  näher
betrachtet,  sich  sehr  oft  als  Triebkräfte  der  Harmonie  ausweisen.  Weiterhin ­
  antwortet  er,  daß  der  Mensch  frei  sei,  und  folglich  frei,  diese  Harmonie
zu  zerstören,  indem  er  sich  an  der  Freiheit  Anderer  vergreift,  —  insbesondere
durch  die  Ausbeutung,  die  Bastiat  keineswegs  zu  verschleiern  versucht,
sondern  die  er  im  Gegenteil  überall  an  den  Pranger  stellt.  Aber  verschiedene
Kräfte  sind  in  der  Umwelt  wie  im  Innenleben  des  Menschen  am  Werke,
um  jeden,  der  den  richtigen  Weg  verläßt,  darauf  zurückzuführen,  so  daß
sich  zum  Schluß  die  Harmonie  von  selbst  wieder  einstellen  wird.
glaube,  daß  das  Übel  zum  Guten  führt  und  es  hervorruft,  während  das
Gute  niemals  zum  Übel  führen  kann,  woraus  sich  ergibt,  daß  das  Gute
zum  Schluß  zur  Vorherrschaft  gelangen  muß 2 ).“
ü  Über  die  Frage:  Wer  im  internationalen  Handel  gewinnt?  siehe  weiter  unten
das,  was  wir  hierüber  bei  Stuart  Mill  sagen.
2 )  Harmonies,  S.  21.  Wir  zitieren  nach  der  10.  Ausg.  der  CEuvres  complet e: ”
            
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