Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
ist allerdings leicht möglich, daß die Handwerker, wie es viele Be 
diente vornehmer Häuser tun, große Profite auf Kosten ihrer Herr 
schaft ein stecken. 
„Sterile“, unproduktive Klassen sind also in der physiokratischen 
Terminologie einfach solche, die ihren Unterhalt aus zweiter Hand 
empfangen. So sehr sie jedoch versucht haben, dieses unglückliche 
Wort zu erklären, es erschien doch so ungerecht gegenüber einer 
ganzen Arbeitsgattung, die vielleicht mehr als jede andere die Völker 
bereichert hat, daß das physiokratische System dadurch unheilbar 
diskreditiert wurde. 
Es ist eine umstrittene Frage, ob die Physiokraten die Erzeugung 
eines Reinertrages nur der Landwirtschaft zusprachen oder das Gleiche 
von der Förderindustrie, den Bergwerken gelten ließen. Man behauptet 
es gewöhnlich, wenn auch infolge der wenigen und sich widersprechenden 
Stellen ihrer Schriften kein vollgültiger Beweis geführt werden kann. 
Man kann hierüber im Zweifel sein, denn wenn einerseits die Berg 
werke unbestritten dem Menschen neue Güter zubringen, Rohstoffe, 
genau wie der Boden und das Meer, so sind doch andererseits Boden 
und Meer sich beständig erneuernde Quellen des Lebens, was für die 
Bergwerke keineswegs zutrifft. Wie Turgot sehr richtig sagt: „Ein 
Feld erzeugt Frucht Jahr für Jahr ... Für eine Erzgrube gilt nicht 
dasselbe; sie erzeugt keine Früchte, sondern ist selbst die zu 
pflückende Frucht“. — Daraus schließt er, daß Bergunterneh 
mungen ebensowenig einen Reinertrag liefern, wie die Fabriken. 
„Wenn jemand aus der Grube einen Reinertrag zieht, so ist das der 
Eigentümer des Grund und Bodens“, aber, fügt er hinzu, dieser Rein 
ertrag ist unbedeutend 1 ). 
Dieser Grundunterschied, den die Physiokraten zwischen der 
landwirtschaftlichen und der industriellen Erzeugung aufstellten, 
Kleidung leisten, wie ich jemanden brauche, der mir Ratschläge über meine Gesund 
heit und meine Geschälte gibt oder einen Diener, der mir dient“ (Le Trosnb, S. 949). 
’) Vgl. hierüber eine interessante These von Pehvinqüiübe, Contribution ä 
l’etude de la productivite dans la physiocratie (Beiträge zum Studium 
der Produktivität in der Physiokratie). 
Die Gleichgültigkeit der Physiokraten in der Präge der Bergwerke zeigt eine 
gewisse Lücke des wissenschaftlichen Geistes, denn diese Präge hätte, auch von ihrem 
Gesichtspunkte aus, eine ganz besondere Bedeutung haben sollen. Die Rohstoffe 
galten ihnen, ebenso wie die Nahrungsmittel, als Grundform des Reichtums. Die 
Rohstoffe werden aber ebenso sehr, und mehr noch als vom Boden, von Bergwerken 
geliefert, was schon zu ihrer Zeit der Fall war. In der Geschichte der Menschheit 
hat das Eisen keine geringere Rolle, als das Korn gespielt Vielleicht hätten sie 
bemerkt, daß auch die Landwirtschaft nur eine Förderindustrie und der Landvvirt 
eine Art Bergarbeiter ist, der, um die Rohstoffe des Bodens zn gewinnen, sich der 
Pflanze als Zwischenglied bedient, so daß die Erde sich ebenso wie eine Grube 
erschöpfen muß.
	        
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