Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 501
Dann aber meldeten sich binnen Jahresfrist auch die Nachbarn
Frankreichs, die außerhalb der eigentlichen Grenzen des deutschen
Reiches unter dem Drucke Ludwigs XIV. gelitten hatten: der
Herzog Viktor Amadeus von Savoyen, der den Franzosen
Pinerolo und Casale hatte öffnen müssen und jetzt wegen
Turins bedrängt wurde, und Spanien, dem Ludwig sehr bald
von sich aus den Krieg erklärt hatte, um in den spanischen
Niederlanden freies Feld zur militärischen Aktion gegen die
Generalstaaten zu haben; Savoyen trat am 4. Spanien am
i. Juni 1690 dem Bunde bei.
Waren damit die diplomatischen Aussichten seit 1690 die
besten, so hielten ihnen aber bald die militärischen Aktionen
nicht das Gleichgewicht.
Vor allem galt das von der Beteiligung der Deutschen
an den nachfolgenden Jahren des Krieges. Denn es zeigte
sich bald, daß sich ein Feuer der Kriegstätigkeit, wie es das
Jahr 1689 ausgezeichnet hatte, bei dem traurigen Charakter
der Reichskriegsverfassung selbst unter dem ausgezeichneten
Kommando Ludwigs von Baden, der nach dem Tode Karls
von Lothringen den Oberbefehl übernahm, nicht aufrechterhalten
ließ. Schon im Winter von 1689 auf 1690 war es zu argen
Zwisten über die innere Organisation und namentlich auch
über die Verteilung der Winterquartiere gekommen, bei der
ich die Truppen der Kreise und der armierten Stände nicht
ohne Grund von den Kaiserlichen übervorteilt glaubten; diese
Streitigkeiten wiederholten sich in den nächsten Jahren und
brachten schließlich die Herren gerade recht wichtiger Kontin—
gente zu dem Entschlusse, sich vom Reichskriege überhaupt
zurückzuziehen. So blieben jetzt die kursächsischen Truppen
fern, um später in den Türkenkriegen frischeren Lorbeer zu
erkämpfen; und der brandenburgische Kurfürst schloß sich mit
seinem Heere mehr den Niederländern an und kam damit in
den Bereich des flandrisch-brabantischen Kriegsschauplatzes.
Was unter diesen Umständen noch zur Deckung der Rheingrenze
»ornehmlich in Suüddeutschland zurückblieb, war schließlich auch
vornehmlich süddeutscher Herkunft; und für diesen Bereich der