Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

500 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
räuchert, so ist die schuldlose Bevölkerung dieser reichen 
Begenden aus ihrem Heim vertrieben worden. Und nichts 
menschlich und göttlich Heiliges wurde geschont: die Kirchen, 
die nicht brennen wollten, wurden durch Minen zu Fall gebracht; 
in die Pracht des Heidelberger Schlosses flog die Brandfackel; 
zerrissen wurden die ehrwürdigen Kaisergräber des Speyerer 
Domes. 
Welcher Franzose darf es tadeln, daß das Gedächtnis an 
diese gemeinen Herzens angeordnete Barbarei, deren sich die 
Ausführenden mehr schämten als die Befehlshaber, noch heute 
naicht aus deutschem Herzen gewichen ist? 
Dieser Erfolg allein ward dem Sonnenkönig; seine Truppen 
mußten weichen. Und sie wichen nicht minder am Mittel- und 
im Niederrhein, wohin zwei Heere nord- und mitteldeutscher, 
aber auch kaiserlicher und süddeutscher Truppen unter Karl 
von Lothringen und Kurfürst Friedrich von Brandenburg vor— 
drangen. Ja die Armee am Mittelrhein erzwang, ein großer 
Erfolg, am 8. September die Kapitulation von Mainz, und 
der Armee am Niederrhein gelang die nicht minder wichtige 
Finnahme von Bonn, am 13. Oktober 1689. 
Es waren an sich bedeutende, für deutsche Verhältnisse 
außerordentliche und kaum erhoffte Erfolge. Und schon war 
zwischen der deutsche Widerstand gegen die überfliegenden 
Pläne Ludwigs XIV. und ihre verletzende Durchführung nicht 
vereinzelt geblieben: neben die deutsche Einigkeit trat die 
internationale einer großen europäischen Koalition. 
Der führende Geist auf diesem Gebiete war von Zahr zu 
Jahr mehr Wilhelm von Oranien geworden. Was mußte es 
unter diesen Umständen bedeuten, daß der Oranier Mitte 
November 1688 in England gelandet, daß er mit seiner 
Gemahlin, nun niederländischer Generalstatthalter und englischer 
Souverän zugleich, am 23. Februar 1089 zum Könige von 
England, Schottland und Irland gekrönt worden war! Schon 
am 12. Mai 1689 kam es in Wien zu einem Bündnisse zwischen 
den Niederlanden und dem Kaiser: es waren die Anfänge der 
großen Allianz. Bald darauf trat England dem Bunde bei.
	        
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