502 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
Rekrutierung ist es dann Ludwig von Baden allerdings noch einmal
zelungen, eine besondere militärische Organisation zunächst der
wichtigsten, dann aber auch anderer Reichskreise zu schaffen:
eine Organisation, deren Reste und deren Grundidee sich noch
lange für die kriegerische Betätigung dieser Kreise, und ins—
besondere die Südwestdeutschen, lebendig erhalten hat. Indes
gegenüber den Franzosen mit den begrenzten Mitteln dieser
Organisation durchschlagende Erfolge zu erringen, gelang dem
Markgrafen nicht; seine Operationen nahmen immer mehr den
Charakter eines Hin und Her großer strategischer Märsche an;
und erneuter und furchtbarer Verwüstung des Landes, ins⸗
besondere Schwabens und der Pfalz, konnte er nur dadurch
begegnen, daß er wenigstens das Gebiet der kriegerischen
Bewegungen möglichst zu begrenzen suchte.
War dies der schließliche Verlauf des Krieges in Deutsch⸗
land, so war für diesen Ausgang aber auch auf französischer
Seite mehr als ein Anlaß gegeben. Auch Ludwig XIV. mußte
seine Kräfte aufs äußerste schonen, da sein Land schwer unter
finanzieller Erschöpfung zu leiden begann; auch ihm lag darum
nichts an großen Aktionen: einen Defensivkrieg nur vermochte
er, wenn auch gern in der Form scheinbaren Angriffes, zu
fiühren. Und unter diesem Zusammenhang litt auch die Ent⸗
vwicklung der Kämpfe auf den außerdeutschen Kriegsfeldern.
Von diesen Kriegsschauplätzen war, neben den ober—
italienischen, weitaus der entscheidungsreichste der nieder—
ländische: wie die Kämpfe Ludwigs längs der französischen Ost⸗
grenze von dieser Stelle aus begonnen hatten, so zogen sie sich
jetzt auf diesen Punkt wiederum zurück; nur daß gegenüber
der Konstellation früherer Jahre die Wichtigkeit dieses Gebietes
sich durch den Umstand noch erhöht und seine Bedeutung
zugleich mehr in seine westlichen Teile verlegt hatte, daß
England am Kampfe aktiv teilnahm und damit auch der See—
krieg eine größere Rolle spielte.
Die Kämpfe begannen hier in dem ersten großen Kriegs—
jahre 1690 mit einer schweren Enttäuschung Ludwigs XIV.,
venn die sie bedingenden Ereignisse auch nicht so sehr auf dem