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Drittes Buch. Der Liberalismus.
Aufsehen, das das Schicksal ihm bestimmte. Doch läßt sich das daraus
erklären, daß es, obwohl in jeder Weise auf ernsthaften Grundlagen be
ruhend, doch viel weniger beredt und anregend ist, als das Buch Stuart
Mill’s. Cherbtjliez gehört der klassischen Schule an. Er bekämpfte
den Sozialismus durch Broschüren in der Art Bastiat’s und verteidigte
die liberale Lehre und die deduktive Methode. Bei alledem kann er, ebenso
wie die beiden Mill vor ihm — und wie Walras, Spencer, Lavbleye,
Henry George und viele andere nach ihm — doch nur mit einigen Ge
wissensbedenken den Grundbesitz mit dem individualistischen Prinzip:
„einem jeden das Produkt seiner Arbeit“ in Übereinstimmung bringen.
Und wenn er sich resigniert damit abfindet, ihn anzuerkennen, so liegt
das mehr daran, daß er ihn für ein geringeres Übel hält als den Gemein
schaftsbesitz am Boden.
In Deutschland hatte die liberale Schule, unmittelbar bevor sie
von der historischen Schule fortgefegt wurde, noch einige Vertreter.
Prince Smith (englischer Abstammung) verteidigte dort den Freihandel
und lehrte, daß „die Annahme widersinnig sei, es gebe überhaupt eine
soziale Frage, und noch widersinniger, daß sie, sollte man annehmen,
es gäbe wirklich eine solche Frage, durch irgend etwas Anderes, als den
natürlichen Lauf der Dinge, gelöst werden könne.“ Weniger doktrinär
und mehr reformatorisch begann ScHULZE-Delitzsch ungefähr im Jahre
1850 die Bewegung, die trotz der Spöttereien Lassalle’s sich so großartig
in tausenden von Kreditgenossenschaften ausbreiten sollte, aus der aber
bis heute nur die Mittelklassen (kleine Kaufleute, Handwerker und Bauern)
Gewinn gezogen haben.