Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

auch  ich  sehe  heute  unter  allen  dargebotenen  Gaben  der  Reformatoren
noch  nichts  Besseres.
§  3.  Die  Nachfolger  Stuart  Mill’s.
Der  Einfluß  Stuart  Mill’s  war  universal,  aber  trotzdem  hinterließ ­
  er  keine  wirklichen  Schüler,  vielleicht  deshalb,  weil  die,  die  es
hätten  werden  könnten,  wie  z.  B.  Arnold  Toynbee,  sich  der  historischethischen ­
  Schule  angeschlossen  haben.
Die  klassische  Schule  folgte  ihm  nicht  in  seinen  sozialistischen  Tendenzen. ­
  Sie  fuhr  fort,  die  Lehren  ihrer  ersten  Meister  zu  lehren,  —  aber
mit  vermindertem  Ansehen,  und  sie  erzeugte  keine  Werke  mehr,  die  denen
gleichgestellt  werden  können,  die  wir  eben  studiert  haben.  Es  gibt  jedoch
einige,  die,  wenn  sie  auch  nur  zweiten  Ranges  sind,  ausgezeichnet  genannt ­
  werden  können.  Wir  weisen  nur  auf  die  wichtigsten  hin.
In  England  gehören  dazu  die  Bücher  von  Cairnes,  besonders  So  me
Leading  Principles  of  Political  Economy,  das  1874  erschien.
Gewöhnlich  stellt  man  Cairnes  als  einen  Schüler  Stuart  Mill’s  hin:
das  ist  jedoch  ganz  und  gar  verkehrt  *).  Er  ist  in  jeder  Weise  ein  Klassiker,
ebenso  wohl  durch  die  deduktive  Methode,  die  er  die  einzig  mögliche  nennt,
und  die  er  sogar  übertreibt,  als  auch  durch  den  Gleichmut,  mit  dem  er
die  sozialen  Ungerechtigkeiten  betrachtet.  Er  nimmt  das  laisser-faire,
„nicht  als  Grundlage  einer  wissenschaftlichen  Doktrin  .  .  .,  sondern  als
die  sicherste  und  praktischste  Lebensregel“  an 2 ).  Er  verteidigt  gegen
Stuart  Mill  das  alte  Gesetz  des  Lohnfonds.  —  Einen  wirklich  neuen
Beitrag  hat  er  nicht  geliefert,  wenn  man  nicht  eine  Verbesserung  des
Konkurrenzgesetzes  so  nennen  will.  —  Er  hat  darauf  hingewiesen,  daß
es  weit  davon  entfernt  ist,  die  große  Tragweite  zu  besitzen,  die  man  ihm
zuschrieb,  sondern  sich  nur  zwischen  Individuen,  die  ungefähr  in  gleicher
Lage  sind,  betätigt,  nämlich  daß  seine  Wirkung  nur  im  Innern  kleiner  ge'
schlossener  Gruppen,  aber  nicht  von  einer  dieser  Gruppen  auf  die  andere
in  Erscheinung  trete:  er  nennt  dies  die  Theorie  der  „non  competing
groups“  (nicht  in  Wettbewerb  stehender  Gruppen).  Hierdurch  erklärt
sich,  daß  die  Ungleichheit  der  Profite  und  der  Löhne  sich  bis  ins  Unendliche ­
  aufrecht  erhalten  kann.

worden  sind,  schreibt  er,  indem  er  von  Auguste  Comte  spricht:  „Was  für  ein  ungeheuerlicher ­
  Irrtum  liegt  doch  in  dem  Glauben,  daß  dieses  Gesetz  der  Zivilisation
einen  beständigen  Fortschritt  erheische!  Warum  nicht  zugeben,  daß  im  Maßstabe,
wie  die  Menschheit  in  gewissen  Richtungen  fortschreitet,  sie  in  anderen  Rückschritte
macht?“
■  k ann  ihn  jedoch,  soweit  soziale  Reformen  in  Betracht  kommen,  hinsichtlich ­
  eines  Punktes  als  von  Stuart  Mill  beeinflußt  ansehen:  er  erklärt,  allerdings
nebenbei,  daß  „die  Kooperation“  der  einzige  Ausweg  aus  der  heutigen  Lage  sei.
2 )  Essays,  S.  281.
            
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