Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  historische  Schule  und  der  Streit  über  die  Methoden.  415

bringt,  hinsichtlich  aller  Theorien  und  aller  Volkswirtschaftspolitik  dem
ausgesprochensten  Skeptizismus  zu  huldigen.  Die  schöne  Zuversicht,
die  früher  geherrscht  hatte,  macht  dem  Zweifel  Platz.  Der  relativen  Einheitlichkeit ­
  der  Anfänge  folgt  die  Vielheit  der  Meinungen,  und  die  Wissenschaft ­
  sucht  von  Neuem  ihren  Weg.
In  dem  letzten  Buche  dieser  Geschichte  werden  wir  sehen,  wie  etwas
später  hervorragende  Schriftsteller  dazu  gelangt  sind,  allen,  denen  es
um  allgemeine  Wahrheiten  zu  tun  ist,  einen  neuen  Sammelpunkt  zu
geben,  indem  sie  die  wissenschaftliche  Tradition  der  Gründer  Wiederaufnahmen, ­
  aber  die  Wirtschaftswissenschaft  von  jedem  System
Politischer  Praxis  trennten  und  so  abermals  ein  vollständiges  Gebäude
gut  zusammengefügter  Lehren  aufrichteten.

Kapitel  I.
Die  historische  Schule
und  der  Streit  über  die  Methoden.

Die  von  der  historischen  Schule  geschaffenen  und  vertretenen  Gedanken ­
  erfüllen  die  ganze  zweite  Hälfte  des  neunzehnten  Jahrhunderts.
Während  seines  letzten  Viertels  haben  sie  sogar  ihren  Höhepunkt  erdicht. ­
  Ihr  Geburtsdatum  liegt  aber  viel  weiter  zurück.  Es  fällt  ungefähr
®üt  dem  Erscheinen  eines  kleinen  Buches  im  Jahre  1843  zusammen,
dem  Grundriß  Roscher’s.  Um  die  Ideen  der  Schule  zu  verstehen,
amß  man  sich  in  diese  Zeit  zurückversetzen:  —  denn  der  Zustand,  in  dem
^eh  damals  die  Nationalökonomie  befand,  rechtfertigt  und  erklärt  die
Kritik  der  historischen  Schule.  .
Mit  den  Nachfolgern  J.-B.  Say’s  und  Ricardo’s  nahm  die  Nationalökonomie ­
  einen  mehr  und  mehr  abstrakten  Charakter  an.  Bei  einigen
anter  ihnen  zeigt  sich  das  Bestreben,  sie  auf  eine  kleine  Anzahl  theoretischer
Zündsätze  einzuengen,  die  wie  geometrische  Theoreme  formuliert  sm
a^d  sich  hauptsächlich  auf  den  internationalen  Güteraustausch,  auf  die
Bestimmung  der  Höhe  des  Profits,  der  Löhne  und  der  Grundrente  beziehen.
Selbst  wenn  man  die  Richtigkeit  dieser  Theoreme  zugeben  wollte  sind
doch  weit  davon  entfernt,  die  ganze  Vielfältigkeit  der  Wirtschaft  ichen
Phänomene  zu  erklären  oder  als  Führer  in  den  neuen  Problemen  der
^  rax is  zu  dienen,  die  die  Entwicklung  der  Industrie  alle  Tage  dem  Staats-^tianne
  stellt.  Aber  die  unmittelbaren  Schüler  Ricardo  s  und^  Say  s,
111  England  und  auf  dem  Kontinent,  Mac  Culloch,  Senior,  Storch,
            
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