Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
deutschen historischen Schule verteidigt, wurde von einigen Vertretern 
dieser Schule 1 ) mit einer gewissen Verärgerung aufgenommen, und führte 
während der folgenden Jahre zu einer Art allgemeiner Gewissensprüfung. 
Es ist daher nötig, hier die wichtigsten Punkte der Diskussion auszuführen 
und den Argumenten der historischen Schule die Erwiderungen ihrer 
Gegner gegenüberzustellen. 
Die historische Schule machte der klassischen Nationalökonomie 
drei große Vorwürfe: 1. ihren „Universalismus“; 2. ihre rudimentäre 
Psychologie, die sich auf den Egoismus gründete; 3. den Mißbrauch, 
den sie mit der deduktiven Methode treibt. 
Betrachten wir diese Vorwürfe nacheinander: 
a) Was die Anhänger der historischen Schule Smith und seinen Nach 
folgern am wenigsten verzeihen, ist ihr „Universalismus“, wie Hilde 
brand sagt, ihr „Absolutismus oder ihr Perpetualismus“, wie Knies 
sich ausdrückt. Sie sagen, daß die englisch-französische Schule geglaubt 
habe, die von ihr formulierten wirtschaftlichen Gesetze verwirklichten 
sich überall und zu jeder Zeit. Auch habe sie sich eingebildet, daß die 
Nationalökonomie, die sie daraus ableitete, allgemein und überall ange 
wendet werden könne. Dieser Absolutismus, sagen die Anhänger der histo 
rischen Schule, muß in der Zukunft dem Relativismus in der Praxis 
ebenso wie in der Theorie Platz machen. 
Zunächst in der Praxis! Eine gleichmäßige wirtschaftliche Gesetz 
gebung läßt sich nicht unterschiedslos auf alle Epochen und alle Länder 
anwenden. Sie muß sich nach den wechselnden Bedingungen des Ortes 
und der Zeit richten. Die Kunst des Staatsmannes besteht darin, die 
Prinzipien neuen Notwendigkeiten anzupassen, und auf Grund neuer 
Probleme originelle Lösungen zu finden. — Wir müssen aber mit Menger 
zugeben, daß dieses allgemeine Prinzip, das seit Jahrhunderten proklamiert 
war, zu selbstverständlich ist, als daß es nicht ohne jeden Zweifel die Zu 
stimmung Smith’s, Say’s und sogar Ricardo’s gefunden hätte * 2 ), auch 
wenn sie es manchmal vergaßen, indem sie die Einrichtungen der Ver 
gangenheit zu streng beurteilten, oder indem sie das laisser-faire als ein 
universelles Heilmittel hinstellten. 
y ) Vgl. die Besprechung des Buches von Menger, die Schmoller in seiner Zeit 
schrift, Jahrbuch für Gesetzgebung, Volkswirtschaft und Statistik, 
im Jahre 1884 veröffentlicht hat. Diese Besprechung ist in etwas milderer Form in 
dem Werk desselben Schriftstellers: Zur Literaturgeschichte der Staats- und 
Sozialwissenschaften (1888) abgedruckt. 
2 ) Vgl. Menger, op. cit., S. 130ff. Hier kann man die ironische Bemerkung 
Marshall’s anwenden (Principles, Bd. I, Kap. V, § 6): „Die deutschen Schriftsteller 
haben wohl daran getan, nachdrücklich auf diese Betrachtungen hinzuweisen, aber 
sie täuschen sich, wenn sie glauben, daß die alten Ökonomisten sie nicht gekannt hätten. 
Es ist eine englische Gewohnheit, viele Ergänzungen dem gesunden Verstand des Lesers 
zu uberlassen . .
	        
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