die völlige Abschaffung aller Differentialzölle folgte, war die
weitere wichtige Konsequenz dieser Handelspolitik. Wenn durch
das Gesetz vom 20. April 1895 die Wertzölle noch eine verschärfte
Anwendung fanden, so geschah das mit der Absicht einer Erhöhung
der Einkünfte aus den Zöllen, die denn auch erreicht wurde!). Im
übrigen machten die Niederlande damals die Erfahrung aller frei-
händlerischen Nationen, daß ihr Tarifsystem es verhinderte, von
ausländischen Staaten Gegenleistungen zu erzwingen. Das war
praktisch aber ziemlich bedeutungslos, da fast alle Staaten Meist-
begünstigung auch ohne Zwang gewährten. Handelund Ver;
kehr/ des Landesihaben sich jedenfalls unter
diesem System vonteilhalt entwickelt. Die
mittlere Jahresein- und -Ausfuhr zeigte einen dauernden Fortschritt;
betrug die Jahreseinfuhr für 1857—1861: 311 Mill. fl., so 1897—1901:
1887 Mill. fl.; die mittlere Ausfuhr aber in ersterem Zeitraum 246,
im letzten 1601 Mill. f1.2). Die Durchfuhr hatte sich besonders gut
entwickelt, was wohl größtenteils dem Aufschwung des deutschen
Hinterlandes zuzuschreiben war; hatte sie 1872—1876 einen mittleren
Jahresbetrag von 1182, so betrug sie 1897—1901: 5481 und 1902:
6709 Mill. Kilo. Als deshalb im Februar 1904 die Regierung, dem
Drängen der Schutzzöllner nachgebend, einen neuen Tarifentwurf
vorlegte, der starke Erhöhungen vieler Sätze enthielt und nament-
lich. die ‘Halb- und Ganzfabrikate traf, erstere mit 2-—5, letztere
mit 6—12%°/, Wertzoll, erhob sich lebhafter Widerstand gegen
diesen Plan. Eine schutzzöllnerische Richtung hatte es immer
in Holland, auch in neuerer Zeit gegeben‘); sie hatte aber mit
ihrer Agitation wenig Erfolg gehabt. So blieb auch jener Ent-
wurf auf dem Papier; er kam gar nicht einmal in den Kammern
zur Beratung. Der Tarif von 1862. ist imiwesent-
lichen heute noch ın Geltung, nachdem 1011 ein
Gesetzentwurf, der für viele landwirtschaftliche Produkte einen
Zollschutz vorsah, gescheitert war *).
1) Wahl, S: 37.
2) Treub, S. 702.
3) Vgl. z. B. die Schrift von R.W., Nederlands verval etc. (1898); und früher:
De Economist, 1880, S. 258 ff.; 1882, S. 207 ff. zur Abwehr protektionistischer
Bestrebungen.
4) Über die neueste Entwicklung vgl. Jahn, S. 189.
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