die Übersiedelung vieler Industrien auf das
platte Land. Nicht mehr gehemmt durch die früheren, Ende
des 18. Jahrhunderts aufgehobenen Verbote verließ eine Industrie
nach der anderen die Städte; Nordbrabant und Twente, d. h. Gegen-
den mit billiger Lebenshaltung, wurden bevorzugt; hier siedelte sich
die Baumwollindustrie an, zunächst meist als Haus-
industrie; die Leinwandindustrie ging langsam
ihrem Untergang entgegen; am längsten hat noch
’sHertogenbosch einen Leinwandmarkt bewahrt‘).
Im übrigen war in den einzelnen Zweigen der Industrie die
Entwicklung doch recht verschiedenartig, und ein allgemeines Urteil
ist schwer zu fällen. In einigen Industrien, wie den Borax- und
Kampferraffinerien, den Bleiweißfabriken waren die Nordniederlande
sogar Belgien weit überlegen?). Andere Zweige lassen wieder auf
eine seltsame Rückständigkeit des Nordens schließen.
Es war doch bezeichnend, daß man 1813 alle Bestimmungen für
die Leidener Tuchlabrikation, die vor 1795 in Kraft
gewesen waren, ohne weiteres wiederherstellte. Schwerlich war das der
richtige Weg, um diese Industrie von neuem in die Höhe zu bringen,
zumal da jetzt die Wollausfuhr beinahe ganz frei war. Zwar bemühte
sich die Regierung, diesem Gewerbe zu helfen, sie schrieb 1820 für
Armee und Marine die ausschließliche Verwendung von im Inland
hergestellten Stoffen vor; auch durften von der Regierung nur
solche Stoffe in die Kolonien versandt werden. Die einzigen Tuch-
fabriken, die langsam aufblühten, waren die für Grobgrün; sie zogen
auch am meisten Nutzen aus der Veränderung der Lage, die die
Industrie durch die Trennung von Belgien und die nun den nörd-
lichen Niederlanden allein obliegende Versorgung der ostindischen
Kolonien erfuhr; die Produktion dieses Stoffes stieg von 1768 Stück
im Jahre 1823 auf 10 389 Stück im Jahre 1837, womit allerdings
der Höhepunkt erreicht war; seitdem fand ein langsamer Rückgang
statt. Dieser Absatz war stark abhängig von den Verhältnissen
in China, wohin solche Stoffe viel ausgeführt wurden. Wenig befrie-
digend entwickelte sich hingegen die Fabrikation der Tuche, Decken
und Flaggentuche; sie blieb ziemlich auf derselben Höhe, machte
jedoch keine Fortschritte. Die Leidener Fabrikation war offenbar
3 van den Brink, |S. 1606.
2?) Colenbrander, Gedenkstukken, IX, S. 913 ff. (Oktober 1829).
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