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durch die Preisgabe seiner Selbständigkeit dauernd oder vorübergehend
einen größeren Erfolg als bisher zu erzielen. Das Kartell schränkt
die Selbständigkeit der Mitglieder mehr oder weniger ein, der Trust faßt
vorher selbständige Unternehmungen zu einer neuen Einheit zusammen,
hebt also ihre Selbständigkeit auf. Beide Organisationen wollen den
Erfolg des wirtschaftlichen Strebens heben.
Wenn eine Organisationsbewegung, die durch Einschränkung oder
Aufhebung der Selbständigkeit ihre Ziele zu erreichen sucht, allgemeiner
das Wirtschaftsleben erfaßt, dann kann man mit Sicherheit erwarten,
daß das erste der beiden Motive die vorherrschende treibende Kraft ist.
Ohne den Zwang der Not opfert nicht ein großer Teil der Wirtschaftenden
die Selbständigkeit. Dem zweiten Motiv fällt nur eine unterstützende
Rolle zu.
Eine allgemeine Notlage ganzer Gruppen von Wirtschaftenden kann
nur dort auftreten, wo eine dauernde Inkongruenz zwischen Angebot
und Nachfrage besteht, wo durch längere Zeit entweder das Angebot oder
die Nachfrage überwiegt. Die verschärfte Konkurrenz der Anbieter oder
der Nachfrager schmälert oder vernichtet den Erfolg ihres wirtschaftlichen
Strebens. Zieht die Notlage in den Reihen der Kämpfenden weitere Kreise,
so siegen allmählich die gemeinsamen Interessen der Konkurrenten über
die Interessengegensätze; Abwehrbestrebungen: Organisationsbestre
bungen setzen ein. Ohne Eingriff in die Selbständigkeit der Konkurrenten
lassen sich aber die gemeinsamen Interessen mit Erfolg nicht vertreten.
Die wirtschaftliche Freiheit der einzelnen wird unterbunden durch die
gemeinsamen Bestrebungen der Gruppen. Nimmt die Bewegung größere
Dimensionen an, so geht der Zustand der wirtschaftlichen Freiheit in den
der wirtschaftlichen Gebundenheit über.
Im Gewerbe entsteht eine allgemeine Notlage hauptsächlich dann,
wenn das Angebot dauernd die Tendenz hat, die Nachfrage zu überbieten.
Somit wird Gewerbefreiheit oder der Drang nach Gewerbefreiheit dort
herrschen, wo das Angebot dauernd hinter der Nachfrage zurückbleibt,
während die Tendenz zum Zusammenschluß der Konkurrenten überall
dort an Kraft gewinnt, wo die Nachfrage immer wieder durch das Angebot
überholt wird. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt uns, daß Perioden der
gewerblichen Freiheit abwechseln mit Perioden gewerblicher Bindung.
Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage muß also in den einzelnen
Perioden eine tiefgehende Wandlung erfahren haben. Die gleichen Ur
sachen rufen die gleichen Wirkungen hervor, wenn natürlich auch die
Organisationen, die in den Perioden des Überangebots Abhilfe bringen
sollen, entsprechend den wirtschaftlichen Gesamtverhältnissen andere
Formen annehmen. Zwischen den mittelalterlichen Zünften und den