Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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nur  billiger  angeboten  werden  als  auf  dem  eigenen  Markt  des  Landes;
denn  sie  werden  seitens  der  ausländischen  Weiterverarbeiter  gern  dazu
benutzt,  um  mit  ihrer  Hilfe  die  Konkurrenten  im  Wettkampf  um  den
einschrumpfenden  Markt  aus  dem  Felde  zu  schlagen.  Vollzieht  sich  dagegen ­
  im  Auslande  eine  Aufwärtsbewegung  des  Wirtschaftslebens,
dann  wachsen  die  Absatzmöglichkeiten  der  inländischen  Weiterverarbeiter,
zumal,  wenn  ihnen  billige  Roh-  und  Hilfsstoffe  zur  Verfügung  stehen.
Verkaufen  die  Kartelle  aber  ihre  Produkte  auf  den  Auslandsmärkten  zu
Schleuderpreisen,  zu  den  Selbstkosten  oder  unter  ihnen,  dann  deutet  sich
darin  schon  die  ungünstige  Wirtschaftslage  jener  Absatzgebiete  an.  Eine
Senkung  der  Inlandspreise  auf  das  Niveau  jener  Schleuderpreise  ist  aber
unmöglich.  Eine  geringe  Mäßigung  der  Inlandspreise  wird  den  Kartellwerken ­
  in  der  Regel  keine  wesentliche  Steigerung  des  Auftragbestandes
erbringen,  sodaß  also  der  Gewinnverlust  infolge  der  Preisminderung  auf
dem  Inlandsmarkt  nicht  durch  eine  Kostensenkung  infolge  reichlicherer
Beschäftigung  ausgeglichen  werden  kann.  Eine  Einbuße  an  Gewinn  auf
dem  Inlandsmarkt  wird  in  vielen  Fällen  nur  dazu  führen  —  besonders  in
jenen,  in  denen  die  Schleuderverkäufe  nach  dem  Auslande  erst  durch  die

Gewinne  im  Inlande  ermöglicht  werden  —  die  Auslandspreise  zu  erhöhen,
wodurch  sich  die  Absatzmöglichkeit  mindert,  also  die  Arbeitsgelegenheit
einschrumpft  und  gleichzeitig  die  Produktionskosten  die  Neigung  zum
Steigen  erhalten.
Die  Schwierigkeit,  allen  Forderungen  in  der  Preisgestaltung  gerecht
zu  werden,  läßt  sich  nicht  verkennen.  Liegen  die  Verhältnisse  außerdem
noch  so,  wie  in  der  deutschen  Stahlindustrie  zu  Beginn  der  Krisis  1901,
wo,  abgesehen  von  den  Erweiterungen  fast  aller  Stahlwerke  in  der  vorhergehenden ­
  Hochkonjunktur,  kurz  vor  dem  Konjunkturwechsel  (1900)
noch  drei  neue  Stahlwerke  auf  den  Plan  traten,  dann  ist  eine  Preisgestaltung ­
  ganz  undenkbar,  die  nicht  durch  äußerst  niedrige  Sätze  für  das
Ausland  die  notwendigen  großen  Auftragsbestände  hereinzuholen  suchte.
In  solchen  Fällen  würde  es  sich  wahrscheinlich  bei  einer  genauen  Untersuchung ­
  herausstellen,  daß  selbst  technisch  die  inländischen  Weiterverarbeiter ­
  nicht  in  der  Lage  sein  würden,  die  Massen  zu  verarbeiten,
.  geschweige,  ob  es  ihnen  gelingen  würde,  die  dazu  nötigen  Aufträge  hereinzuholen ­
  l ).
Die  Kartelle  haben  sich  aber  keineswegs  als  taub  gegen  die  Wünsche
der  Weiterverarbeiter  erwiesen.  Um  sie  in  ihrem  Kampf  auf  dem  Weltmarkt ­
  zu  stärken,  hat  man  zu  dem  Mittel  der  Ausfuhrvergütungen  gegriffen. ­
  Ob  sie  in  der  Form  von  Preisnachlässen  gewährt,  oder  ob  sie  bar

=  -

*)  Vgl.  hierzu  mein  Buch  „Konzentration"  S.  49ff.
            
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