Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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“Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

keinen  Nutzen  irgendwelcher  Art  hat,  eine  für  ihn  nutzlose  Mehrbelastung,
die  nur  dazu  dient,  den  Kapitalisten  zu  bereichern.
Natürlicherweise  liegt  es  im  Interesse  des  Kapitalisten,  soviel  wie
möglich  den  Mehrwert,  der  seinen  Profit  darstellt,  zu  vermehren.  Dies
gelingt  ihm  durch  eine  Reihe  von  Handlungen,  deren  Analyse  einen  der
merkwürdigsten  Teile  der  marxistischen  Lehre  darstellt,  die  man  aber
unter  zwei  Hauptpunkten  zusammenfassen  kann:
a)  die  Dauer  des  Arbeitstages  so  viel  wie  möglich  verlängern,  um  die
Anzahl  der  Mehrarbeitsstunden  zu  vermehren.  Wenn  zum  Beispiel  der
Arbeitgeber  den  Arbeitstag  auf  12  Stunden  bringen  könnte,  so  ist  sein
Mehrwert  7  Stunden  am  Tage  statt  5.  Das  Streben  aller  Fabrikanten
ging  nun  gerade  darauf  hin,  dies  zu  tun,  bis  zu  dem  erst  vor  kurzem  eingetretenen ­
  Zeitpunkte,  an  dem  die  Gesetze  die  Dauer  des  Arbeitstages
(aber  nur  dort,  wo  sie  anwendbar  waren!)  beschränkten  und  so  die  erste
Quelle  des  Mehrwertes  zum  Versiegen  brachten.  Daher  stammt  die  Wichtigkeit ­
  der  Verkürzung  der  Arbeitszeit  in  der  MARx’schen  Lehre.  Marx
erinnert,  um  seine  Darlegung  zu  stützen,  an  die  Petition  der  englischen
Fabrikanten,  worin  sie  erklärten,  daß  lediglich  die  letzte  Arbeitsstunde ­
  ihnen  ihren  Gewinn  bringe.
Und  der  Arbeitstag  zählte  damals  14  bis  15  Stunden!  Was  hätten
sie  gesagt,  wenn  sie  den  Achtstundentag  hätten  voraussehen  können!
b)  die  auf  die  Erzeugung  des  Lebensunterhaltes  des  Arbeiters  verwendete ­
  Anzahl  Stunden  zu  verringern.  Wenn  der  Arbeitgeber  sie  von
5  Stunden  auf  3  Stunden  beschränken  kann,  so  ist  es  klar,  daß  er  durch
dieses  Verfahren,  obgleich  es  das  Gegenteil  des  vorhergehenden  ist,  ebenfalls ­
  seinen  Mehrwert  von  5  auf  7  Stunden  erhöht.  Diese  Verringerung
tritt  nun  selbsttätig  ein,  und  zwar  auf  Grund  all  der  industriellen  Vervollkommnungen ­
  oder  irgendwelcher  Organisationen,  die  darauf  abzielen,  die
Kosten  des  Lebensunterhaltes  zu  verbilligen,  wie  zum  Beispiel  durch
Schaffung  kooperativer  Konsumvereine 1 ).  Der  Kapitalist  kann  aber
hierzu  auch  seinerseits  beitragen,  besonders  durch  die  Errichtung  von

*)  Auch  die  Entwicklung  des  Maschinismus  strebt  nach  der  Theorie  des
Marxismus  darauf  hin,  die  Kosten  des  Lebensunterhaltes  zu  verringern  und  infolge'
dessen  auch  den  Preis  der  Arbeit,  indem  der  Preis  der  Kleidung,  der  Möbel  usw.,  und
sogar  (wenn  auch  in  geringerem  Maßstab)  der  der  Nahrungsmittel  fällt.
Aber,  wird  man  einwerfen,  der  Maschinismus  muß  doch  infolge  derselben  Gründe
den  Wert  der  Arbeitserzeugnisse  zum  Sinken  bringen  und  daher  auch  den  Mehrwert
vermindern?  -—  Durchaus  nicht!  Man  darf  nicht  die  Wertverminderung  jeder  durch
die  Maschine  hergestellten  Einheit  mit  dem  gesamten  Wert  der  durch  die  Maschine
hergestellten  Erzeugnisse  verwechseln.  Der  Meter  Tuch,  der  auf  der  Webmaschine
hergestellt  ist,  ist  viel  weniger  wert,  als  der  Meter  Tuch,  der  mit  der  Hand  hergestelW
ist,  aber  der  tägliche  Wert  der  auf  der  Maschine  hergestellten  Menge  Tuch  muß  de®
Wert  des  mit  der  Hand  hergestellten  Tuches  gleich  bleiben,  unter  der  Annahme,  da»
dieselbe  Anzahl  Stunden  auf  seine  Herstellung  Verwendet  worden  ist.
            
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