Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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Kapital  vorherrscht,  mehr  als  das,  was  die  Zusammensetzung  ihres  Kapitals
ihnen  zu  erhoffen  gestatten  sollte!  —  Daher  nennt  sie  Marx  auch  Unternehmungen ­
  „höherer  organischer  Zusammensetzung“ 1 ).  Dies  erklärt,
weshalb  die  Unternehmungen  mit  großer  Ausstattung  sich  so  stark  vermehren, ­
  im  Gegensatz  zu  dem,  was  der  erste  Blick  vermuten  lassen  könnte.
Denn  gerade  sie  werden  begünstigt,  weil  sie  höhere  Profite  erzielen,
Ms  die  von  ihnen  beschäftigte  Mehrarbeit  und  der  normalerweise  darauf
beruhende  Mehrwert  sonst  ergeben 2 ).
Bei  aller  Hochachtung  vor  dieser  geistsprühenden  Dialektik  dürfen
wir  uns  nicht  soweit  davon  blenden  lassen,  daß  wir  die  brutale  Tatsache
nicht  mehr  sehen,  die  sie  zu  verhüllen  bezweckt  und  dennoch  implizite
zugeben  muß,  nämlich,  daß  die  Höhe  des  Profits  (also  auch  der  Wert  des
Produktes,  was  wohl  zu  beachten  ist,  da  das  Eine  das  Andere  bedingt!)
durch  die  Konkurrenz  geregelt  wird,  d.  h.  durch  das  Gesetz  des  Angebotes
und  der  Nachfrage,  ohne  jede  notwendige  Verbindung  mit  der  Menge
der  aufgewandten  Arbeit!  Und  die  Erklärung  enthält  auch  das  Eingeständnis, ­
  daß  der  Unternehmer,  anstatt  seine  Gewinne  im  gleichen  Maßstabe, ­
  wie  er  weniger  menschliche  Arbeit  verwendet,  geringer  werden  zu
sehen,  dadurch  im  Gegenteil  einen  immer  größeren  Vorteil  hat!  Dieser
Widerspruch  ist  gerade  einer  der  Bisse,  die,  wie  wir  sehen  werden,  den
Zusammenbruch  des  majestätischen  marxischen  Gebäudes  nach  sich
Mehen  sollten.

J )  So  würde  in  dem  auf  der  vorhergehenden  Seite,  Anm.  2  angeführten  Beispiel,
da  das  Mittel  zwischen  900  und  100  =  500  ist,  das  Unternehmen  A,  anstatt  90  %  Mehrwert, ­
  nur  50  %  erhalten,  und  das  Unternehmen  B,  anstatt  nur  10  %  aufzuweisen,  würde
60  %  einstreichen.
2 )  Wenn  wir  in  dieser  Darlegung  häufig  das  Wort  Profit  an  Stelle  Mehrwert
gebraucht  haben,  so  geschieht  das,  um  durch  den  Gebrauch  eines  bekannteren  Wortes
an  Klarheit  zu  gewinnen.  Wir  müssen  aber  darauf  besonders  aufmerksam  machen,
daß  die  beiden  Worte  keineswegs  vollständig  synonym  sind.  Der  Mehrwert  ist  alles
das,  was  im  Wert  des  Produktes  die  Unterhaltskosten  der  Arbeit  übersteigt,  ist  also
das  riesige  Stück  des  Kuchens,  in  das  sich  alle  Gesellschaftsklassen,  außer  der  Arbeiterklasse, ­
  teilen,  d.h.  nicht  nur  die  Industriellen,  sondern  auch  die  Kaufleute,  Rentiers  usw.,
~~  während  der  Profit  nur  jener  Teil  des  Mehrwertes  ist,  der  in  den  Händen  der  Unternehmer ­
  bleibt,  die  unmittelbar  Lohnempfänger  beschäftigen.  Die  Höhe  des  Profits
Jst  übrigens  ganz  verschieden  von  der  des  Mehrwertes,  wie  wir  oben  besonders  erwähnt
haben.

Wir  weisen  daher  nochmals  darauf  hin  (siehe  S.  408,  Anm.  2,  al.  3  [S.409]),  daß  im
Wort  Profit  verschiedene  Bedeutungen  unterschieden  werden  müssen.  Im  Sprachgebrauch ­
  von  Marx,  wie  in  dem  aller  englischen  Volkswirtschaftler,  umfaßt  das  Wort
r ofit  das  ganze  Einkommen  aus  Kapital,  so  wie  es  unter  der  Herrschaft  der  freien
Konkurrenz  auftritt,  ohne  Unterscheidung  zwischen  dem  eigentlichen  Profitgewinn  und
Zinsen,  während  man  heute  unter  Profit  das  Einkommen  des  Unternehmers,  das
hf  gewissen  günstigen  Umständen,  besonders  auf  dem  unvollkommenen  Spiel  der
Konkurrenz  beruht,  als  verschieden  von  dem  des  Kapitalisten  versteht.
d  Bei  dieser  letzteren  Auffassung  nun  würde  es  unsinnig  sein,  von  einem  Gesetz
w  Gleichheit  der  Profite  zu  sprechen,  da  der  Profit,  so  wie  wir  ihn  eben  definiert
ab en,  notwendigerweise,  wie  die  Bodenrente,  ein  differentielles  Einkommen  darstellt.
            
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