fullscreen: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Wirtschaftliche Entwickelung. 
mit dem durchaus volkswirtschaftlichen nationalen Charakter 
des europäischen ist als Vorläufer der Fabrikindustrie im 
lateinischen Amerika nicht aufgekommen, da diese Länder, 
wie schon mehrfach erwähnt, auch als selbständige Staaten 
in der Hauptsache Kultivationen blieben und gewerbliche 
Erzeugnisse nur für den eigenen Bedarf, nicht aber für den 
Handel nötig hatten. Zeigte nun schon die Ausnutzung des 
Bodens in den lateinisch-amerikanischen Ländern nicht einen 
kapitalbildenden Zug im Sinne einer volkswirtschaftlichen 
Entwickelung und Arbeitsteilung, so wiederholt sich diese 
Erscheinung auf dem Gebiete des Gewerbes, das Ausfuhr- 
gegenstände nicht hervorbringt../ Ist dies aber doch einmal 
der Fall, wie z. B. bei den Strohhüten, die auf haus- 
industriellem Wege durch die Indianer in Ecuador und Co- 
lumbia angefertigt werden, bleibt der Gewinn nicht im Lande, 
sondern wandert in die Tasche der ausländischen Händler, 
die die ganze Herstellung und Ausfuhr der Hüte in ihre Ge- 
walt gebracht haben. 
4. Handel. 
Wenn nun also die zwei wichtigen Elemente der Boden- 
wirtschaft und des Gewerbes für die Bildung von Kapital 
als Überschuß einer fortschreitenden Volkswirtschaft ausfallen, 
So bliebe nur noch der Handel als Quelle des Kapitals übrig, 
dessen Kraft die in den lateinisch-amerikanischen Ländern 
sich immer mehr entwickelnde Fabrikindustrie ihre Entstehung 
verdanken könnte. Auch hier ist wieder ein Unterschied zu 
machen zwischen der Zeit der europäischen Kolonisation 
„und der selbständigen Entwickelung der Staaten.‘ Während 
‘der europäischen Herrschaft lag der Handel ganz in den 
Händen der Europäer, also nicht der Kreolen, und be- 
Sschränkte sich nur auf Bodenerzeugnisse, die aber, wie schon 
geschildert, durchaus nicht voll ausgenutzt wurden, da 
schon einzelne mühelos herzustellende Erzeugnisse den 
erwünschten Gewinn abwarfen und deshalb die Notwendig- 
keit, den vollen Reichtum der Länder zum Handel heranzu- 
ziehen, nicht vorlag. Umgekehrt aber war auch die Aus- 
nutzung der vollen Leistungsfähigkeit des Bodens unmöglich 
gemacht, indem z. B. von Spanien verboten wurde, in den 
Kolonien Erzeugnisse des Mutterlandes, wie Öl, Zuckerrohr, 
Wein zu bauen, Seidenwürmer zu züchten, Eisenminen zu 
bearbeiten und ähnliches. Ebenso gefesselt war der Einfuhr- 
handel in den Kolonien, in die nur spanische Waren einge- 
führt werden durften; aller Zwischenhandel war verboten. 
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