Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Physiokraten. 
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kann, wie es ihm gefällt, ohne Unterschied zwischen Inland und Aus 
land, da ja diese natürliche Ordnung Grenzunterschiede nicht kennt x ). 
Auch sichert die Freiheit den „richtigen Preis“ (le bon prix). 
— Was soll man aber unter diesem Wort verstehen? — Einen 
niedrigen Preis? — Ganz und ’gar nicht! „Nur die freie Kon 
kurrenz der ausländischen Kaufleute kann den bestmöglichen Preis 
sichern, und nur der hohe Preis kann durch die Mühen des Land 
wirtes den Wohlstand wie die Bevölkerung eines Königreiches schaffen 
und unterhalten“ 2 ). Diese Erwägung scheint verwirrend, weil wir im 
Gegenteil daran gewöhnt sind, daß die Freihändler sich mit ihren billigen 
Preisen brüsten; man versteht sie aber besser, wenn man sich klar 
wacht, daß die Physiokraten sich um die Einfuhr von landwirt 
schaftlichen Produkten kaum Sorgen machten. Eine solche war 
nämlich damals kaum zu befürchten, so daß der Gedanke des freien 
Kornhandels für sie auf die freie Ausfuhr herauskam. Nach Oncken war 
von Quesnay gewünschte Handelspolitik diejenige, die England 
damals befolgte: Begünstigung der Getreideausfuhr, um den Kurs zu 
stützen, und um bei Gelegenheit einer reichen Ernte den richtigen Preis 
?? halten, — sowie die Erlaubnis der Einfuhr nur im Falle einer 
Hungersnot, um zu große Teuerung zu verhüten 3 ). 
b „Man muß die vollständige Handelsfreiheit aufrecht erhalten, denn die für 
das Volk und den Staat sicherste, genaueste und vorteilhafteste Regelung des Innen- 
ddd Außenhandels besteht in absolut freier Konkurrenz“ (Quesnay, Maximes XXV). 
2 )Dialogues, S. 153. „Hohe Preise erzeugen Überfluß, sagte man, d. h. 
* e gen zur Produktion an“, und umgekehrt hatte Boisguillebebt gesagt: „Niedrige 
Preise gehen der Not voraus.“ 
_ Ebenso schreibt Mebcier de la RiviAre: „Ein üblicher und beständiger, richtiger 
Preis (bon prix) bringt mit Sicherheit Überfluß — und ohne Dreiheit gibt es keinen 
richtigen Preis, keinen Überfluß“ (S. 570). Im übrigen begnügt sich Quesnay an 
anderer Stelle (Maximes S. 98) zu sagen, daß der freie Kornhandel „den Preis 
gleichmäßiger“ gestalten wird. 
Auch Tubgot (inseinen Briefen über den Getreidehandel) führt diesen 
aweis des längeren aus und versucht sogar, ihm eine arithmetische Gestalt zu 
ge en. Das ist unnötig. Es ist eine, allerdings mehr psychologische Wahrheit, daß 
I* 11 re gelmäßiger Preis von 20 Pr. besser ist, als ein zwischen 35 und 5 Fr. hin und 
r schwankender Preis, obgleich der arithmetische Durchschnitt der gleiche ist. 
a ) Ebenda, S. 376. — Es ist der Mühe wert, darauf hinzuweisen, daß die 
sieh Konkurrenz ausdrücklich von Quesnay vorausgesehen wurde, was 
da g er ^ lc k H ns der bemerkenswertesten Beispiele wissenschaftlicher Vorhersage ist, 
Kö an ,r)Höhrt werden kann. „Man könnte,“ sagt er in seinem Aufsatz über die 
fürcbt rücllte in der Enzyklopädie, „die Fruchtbarkeit der amerikanischen Kolonien 
Weni ’ Un< * ^ as Anwachsen der Landwirtschaft in der Neuen Welt“, aber er geht, 
a merfj S 6 ^ S ,P rov 'sorisch, über diese Befürchtung mit dem Hinweis hinweg, daß „das 
derbe*“ amscae Getreide weniger gut als das französische sei und auf der Reise ver- 
Pbysiokr f Verwe ^ s ® u au ch noch auf das, was wir schon im vorhergehenden über die 
G a en a * s Schutzzöllner unter heutigen Verhältnissen gesagt haben. 
•md Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 2. Aufl. 3
	        
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