Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Die  auf  dem  Christentum  beruhenden  Lehren.

541

den  sozialen  Kräften  der  römisch-katholischen  Kirche  und  dem  Klerus 1 )
nur  mit  einem  gewissen  Mißtrauen  einen  recht  kleinen  Platz  ein.  Ferner
ist  sein  Reformprogramm,  wie  wir  es  eben  dargelegt  haben,  von  dem
des  sozialen  Katholizismus,  den  wir  untersuchen  werden,  ganz  verschieden. ­


1885  trat  in  der  Le  PnAY’schen  Schule  eine  Spaltung  ein.  Die
!,Unions  de  la  Paix  sociale“  mit  ihrem  Organ  ,,La  Reforme  Sociale“
sind  dem  Programm,  das  wir  eben  gezeichnet  haben,  treu  geblieben.
Der  Teil,  der  sich  von  ihr  trennte,  hat  sich  unter  der  Führung  von  Demolins
  und  dem  Abbe  de  Toübville  in  der  Richtung  eines  Ultra-Individualismus
  und  Spencerianismus  entwickelt,  so  daß  er  nur  noch
durch  seine  Ursprünge  mit  den  in  diesem  Kapitel  dargestellten  Lehren
zusammenhängt.

Die  Schule  der  sozialen  Wissenschaft  (Science  sociale)
wie  sie  sich  nennt  —  wenigstens  ist  dies  der  Name,  den  sie  der  Zeitschrift
gegeben  hat,  die  sie  als  ihr  Organ  benutzt,  —  behauptet,  die  Methode
Le  Play’s  wieder  aufzunehmen  und  fortzuführen,  wenigstens  die  durchaus ­
  objektive,  die  er  während  des  ersten  Teiles  seiner  Laufbahn  verfolgte.
Sie  wirft  ihm  nur  vor,  es  nicht  verstanden  zu  haben,  seine  eigene  Methode
nutzbar  zu  machen  und  seiner  Aufgabe  nicht  gerecht  geworden  zu  sein,
die  darin  bestand,  aus  dieser  Methode  eine  positive  Wissenschaft  zu  entwickeln. ­
  Diese  neue  Schule  zieht  der  Methode  der  Monographien  die
Methode  der  Klassifikation  vor,  die,  um  die  Tatsachen  zu  verstehen,
sie  in  ihrem  natürlichen  Zusammenhang  hinstellt  und  zunächst  das  Band
sucht,  das  sie  mit  dem  geographischen  Milieu  verbindet 2 ).  Dieses  „Milieu“,
das  schon  bei  Le  Play  eine  so  große  Bedeutung  hatte,  nimmt  in  der  Schule
der  „sozialen  Wissenschaften“  einen  außerordentlichen  großen  Raum  ein.
Man  zeigt  hier,  um  nur  ein  einziges  Beispiel  anzuführen,  wie  die  Gestalt
des  norwegischen  Fjords  durch  die  Spärlichkeit  kultivierbaren  Bodens,
durch  die  Notwendigkeit  des  Fischfanges,  durch  die  begrenzte  Größe
der  Fischerboote,  die  Sonderart  der  Familie,  der  Wirtschaft  und  sogar
der  Politik  der  angelsächsischen  Gesellschaft  geschaffen  habe!  In  gleicher
Weise  habe  die  große  asiatische  Steppe  einen  anderen,  ihr  eigentümlichen
Zivilisationstypus  hervorgerufen  usw.  Es  ist  dies  der  historische  Materialismus ­
  der  Marxisten,  der  hier  unter  der  pittoreskeren  und  nach  unserer

l )  „Der  hauptsächlichste  Zweck,  der  zü  ist ’ {  ^hinzu:um  es  auf
Möglich  das  kirchliche  Personal  zu  verringern.-  Allerdings  iug
ä "  TÄ/gS'Äto"«..  ■>»  ™
a lle  anderen  Formen  der  Assoziation.
,  1  Eine  s.ti.l.  Tatsache  ist  vollständig  l’«“,Ä"‘
Milieu  betrachtet  wird.  Die  gante  soziale  Wissenschaft  beruht  aul  diesem  ftoseti
(Pemolins,  La  Classification  sociale).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.