Kapitel IY. Die auf dem Christentum beruhenden Lehren.
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die ihnen auf diesem Boden vorausgegangen ist, sich wohlunterrichtet
gezeigt hat.
Am Anfang der Bewegung suchte man den gemischten Verband
(syndicat mixte) zu organisieren, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer
vereinigt sind, und der die besten Garantien für den sozialen Frieden
zu bieten schien. Die Ergebnisse waren aber recht entmutigend 1 ). Man
hat diesen Gedanken aufgegeben und sich mit der korporativen und
getrennten Organisation der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer begnügen
müssen, die aber zusammen die Regelung der Arbeit und die Beilegung
von Streitigkeiten betreiben. Diese nicht gemischten, sondern parallelen
Berufsverbände sollen nach und nach die Organe der Arbeitergesetzgebung
werden, die der Staat ihnen, die mehr Erfahrung als er selbst
haben, überlassen Soll. Anstatt daß starre Gesetzesvorschriften Alles regeln,
was mit den Interessen der Berufe zu tun hat, wie Arbeitsdauer, Sonntagsruhe,
Lehrlingswesen, Werkstättenhygiene, Frauen- und Kinderarbeit
und sogar Minimallohn, Gesetze, die in ihrer brutalen Starrheit fast stets
Unanwendbar bleiben, würde alles dies von da an allein den Beschlüssen
der Berufsverbände unterstehen. Diese Vorschriften sollen dann für
a Üe, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die dem gleichen Berufszweige angehören,
obligatorisch sein. Es soll jedem freistehen, dem Berufsverbande
beizutreten oder nicht, doch darf niemand den Verordnungen des Berufsverbandes
entgegenhandeln, damit den Mitgliedern keine Konkurrenz
durch Verschlechterung der Arbeitsbedingungen gemacht werden könne.
Heute gilt die Formel: „Freie Assoziation innerhalb der organisierten
Berufe“ 2 ).
Wenn die Liberalen sich darüber aufregen, daß einfache private
Genossenschaften gesetzgeberische Macht erhalten sollen, so antwortet
018,11 ihnen, daß die Arbeitsgemeinschaft eine ebenso natürliche
h Im Jahre 1894 erklärte der Kongreß der katholischen '„Cercles“ in Reims,
^ a ß „ohne uns die Schwierigkeiten zu verhehlen, die sieh einer Verallgemeinerung es
gemischten Syndikates entgegenstellen . . . muß doch die Bildung dieser Syndikate
da s Ziel unserer Bestrebungen sein.' 1 Und im Jahre 1904 sagte der Pater Rotten,
einer der Führer der katholischen syndikalistischen Bewegung in Belgien, in einem
Bericht über die syndikalistische Bewegung: „Wir verwerfen die Form des gemischten
Syndikates nicht, und wir geben gerne zu, daß sie in der Theorie die voll-ommenste
lst - Das ist aber kein Grund, um die Augen dem Lichte zu verschließen un sich
darauf zu versteifen, nicht anerkennen zu wollen, daß das gemischte Syn ikat jetzt
'n wenigstens 90 % der großen industriellen Gemeinden des Landes eine nicht zu verwirklichende
Utopie ist“ (angeführt von Dechesne, Syndicats ouvriers beiges,
19 06, S. 76). „ . , T .. , . ,
, 2 ) Dieses Programm wird besonders in Österreich, einem der Lander, in denen
! ler soziale Katholizismus ziemlich mächtig ist, empfohlen. Das Zunftwesen ist dort
111 Wirklichkeit niemals verschwunden, und man hat seit einigen Jahren Versucht,
— wenigstens in den kleinen Industrien — ein neues Leben zu geben, und zwar
,n der Form von Zünften mit für alle Mitglieder des Berufs obligatorischen Statuten.
6 i<ie nnd Rist, Gösch, d. Volkswirtschaft!. Lehrmeimmgen. 2. Aufl.
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