Metadata: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Erste Blüte individualistischen Geisteslebens. 185 
der Studien und der Erziehung hinausliefen. Besonders deut— 
lich trat das bei der von Gerhard Groot gestifteten nieder⸗ 
ländischen Genossenschaft der Brüder vom gemeinen Leben zu 
Tage!. Zwar waren deren Niederlassungen von vornherein 
keineswegs als Pflegstätten des Humanismus gedacht, aber ihre 
Wirksamkeit lief, zumal seitdem sie von Papst Eugen IV. be— 
stätigt worden waren, immerhin auf eine erziehliche Thätigkeit 
hinaus, die bei ihrem energischen Studium und ihrer Fürsorge 
für gut ausgestattete Bibliotheken nicht anders als zum 
Humanismus führen konnte. 
Und aus diesen Kreisen gingen vielfach pädagogisch und 
wissenschaftlich veranlagte Männer hervor, Charaktere konser— 
vativen Denkens und gefesteter Sittlichkeit, die ihren Gesichts— 
kreis in Italien erweiterten und von dem damit gewonnenen 
Standpunkte aus höhere Ziele einer humanistischen Erziehung 
für Deutschland aufstellten. So vor allem Rudolf Agricola 
(1443 -1485), der in seiner Schrift De formando studio für 
eine antiaristotelische und damit antischolastische Studienordnung 
eintrat und neben dem Latein Philosophie, Moral und Physik 
in den Vordergrund gestellt wissen wollte. So weiterhin Jacob 
Wimpheling, der Lehrer des Oberrheins, ein bibelfester Theo— 
loge und eifriger Deutscher, Sebastian Brant (1457 -1521), 
der bekannte Verfasser des Narrenschiffs, Ludwig Dringenberg, 
der Gründer der berühmten Schule von Schlettstadt, Alexander 
Hegius, der heitere und fromme Leiter der Schule von Deventer, 
und nicht minder die großen Lehrer der Schulen, die nach 
Deventers Verfall in Nordwestdeutschland emporblühten, Alk— 
maars, Emmerichs und Münsters, vor allem Rudolf Langen 
(J. 1519) und Johannes Murmellius (F 1527). 
Die emsige Thätigkeit dieser und verwandter Männer 
hrachte es dahin, daß seit etwa dem letzten Drittel des 
15. Jahrhunderts die humanistische Richtung ihren Einzug in 
die mittleren Schulen zu halten begann?. Es geschah in 
Vgl. hierzu Band IV Buch XII Kapitel 3 Nr. II. 
Zu deren Ursprung s. Band IV Buch XII Kapitel 3 Nr. I.
	        
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