186 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Nürnberg seit etwa 1485, darauf in den schwäbischen, noch
später in den bairischen Städten, in den Kolonialgebieten um
die Wende des Jahrhunderts; am meisten standen vielleicht der
Zeit nach die heute sächsisch genannten Länder zurück. Um
1510 aber war soviel gewonnen, daß der Rheinfranke Butzbach
schreiben konnte: „Gegenwärtig hört man auch in den kleinsten
Schulen die großartigen und mannigfaltigen Werke der alten
und neuen Autoren in Prosa und Versen!.“
Freilich waren deshalb die alten Bildungsideale keineswegs
völlig beseitigt. Auch jetzt blieb das starke Übergewicht religiöser
Unterweisung bestehen. Murmellius hat ausdrücklich erklärt,
daß er sich in seinen Schriften durchaus im Rahmen der kirch—
lichen Lehre gehalten wissen wolle, und er wie seine Gesinnungs⸗
genossen waren weit davon entfernt, die Bildung des Verstandes
zum Nachteil der Charakterbildung zu überschätzen; er hat es
ausgesprochen, daß es nichts Schlimmeres gebe, als einen
gelehrten und dabei schlechten Menschen.
Immerhin aber zog mit diesen Schulen etwas vom Wesen
des Humanismus in die tieferen Schichten der Nation; der
Zeitgeist wendete sich; nur der Kleriker hielt noch daran fest,
hinter der neuen Bildung Teufels Unrat zu wittern, während
der Bürger und auch der Adlige die Vorteile einer besseren
Schulung bis zu dem Grade erkannte, um materielle Opfer für
sie zu bringen. Und längst schon hatte sich über die tiefere,
gleichsam pädagogische Schicht des Humanismus eine höhere
der Gelehrsamkeit und der Lebenshaltung zu legen begonnen;
der Humanismus war an den Universitäten eingezogen.
Die ersten universitätsartigen Einrichtungen in Deutsch—
land haben zu Köln bestanden; hier blühte im 18. Jahrhundert
das Studium geneérale der Dominikaner, in deren Kloster
Albertus Magnus und sein Schüler Thomas von Aquino
Paulsen, Gelehrter Unterricht S. 119.