Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
„Welch mannigfaltige Arbeit ist ferner nötig, um die Werkzeuge 
des geringsten unter diesen Arbeitern hervorzubringen! Von so ko®- 
plizierten Maschinen, wie es ein Schiff, eine Walkmühle, oder selbst ein 
Webstuhl ist, gar nicht zu reden, wollen wir nur betrachten, welch mannig' 
faltige Arbeit dazu erforderlich ist, jene höchst einfache Maschine, die 
Schafschere, mit welcher der Schäfer die Wolle abschert, zu verfertigen. 
Der Bergmann, der Erbauer des Hochofens, der Holzfäller, der Köhler, 
welcher Kohlen für die Schmelzhütte bereitet, der Ziegelstreicher, der 
Maurer, die Arbeiter, welche den Ofen zu besorgen haben, der Mühlen- 
bauer, der Grobschmied, der Schmied: sie alle müssen ihre verschiedenen 
Arbeiten vereinigen, um sie zu erzeugen. Wollten wir auf dieselbe Weise 
alle verschiedenen Teile seines Anzuges und Hausrates untersuchen, das 
grobe, leinene Hemd, welches er auf dem Leibe trägt, die Schuhe, die 
seine Füße bedecken, das Bett, worauf er liegt, und all die verschiedenen 
Teile, woraus es besteht, den Rost in der Küche, auf dem er seine Speisen 
zubereitet, die Kohlen, die er dazu braucht und die dem Erdinnern ent- 
graben und ihm vielleicht durch eine lange Land- und Seefahrt zugeführt 
worden sind, alle anderen Gerätschaften seiner Küche, alles Tischgeschirr, 
die Messer und Gabeln, die irdenen oder zinnernen Teller, auf denen er 
seine Gerichte aufträgt und schneidet, die verschiedenen Hände, die mW 
Bereitung seines Brotes und Bieres beschäftigt sind, die Glasfenster, die 
Wärme und Licht hereinlassen, Wind und Regen ’abhalten, samt alld 
Kenntnis und Kunst, welche erforderlich war, diese schöne, glückliche 
Erfindung vorzubereiten, ohne welche diese nördlichen Teile der Erde 
kaum eine sonderlich behagliche Wohnung erhalten konnten, dazu endlich 
die Werkzeuge all der verschiedenen Arbeiter, die mit Hervorbringu«£ 
der verschiedenen Genußmittel beschäftigt sind — wenn wir, sage ich, 
alle diese Dinge betrachten und erwägen, welche Mannigfaltigkeit de* 
Arbeit an jedes derselben verwendet wird, so werden wir inne werde«, 
daß ohne den Beistand und die Mitwirkung (Kooperation) vieler Tausend« 
nicht der allergeringste Mensch in einem zivilisierten Lande auch nur i fl 
der, wie wir sie uns fälschlich vorstellen, leichten und einfachen Art ver 
sorgt werden kann, in der er gewöhnlich ausgestattet ist 1 ).“ 
Diese Kooperation hat sich in den menschlichen Gemeinwesen vo» 
selbst unter einer besonderen Form, der der Arbeitsteilung, verwirklich 
Das Hauptverdienst A. Smith’s besteht gerade darin, diese ökonomisch 
und soziale Grundtatsache, die seit ihm so oft angeführt worden ist, da« 
sie uns heute als Behauptung banal erscheint, klar hingestellt (hierum 
beginnt nämlich sein Buch) und sie zum grundlegenden Gedanken beh 
Aufbau seines ganzen Werkes gemacht zu haben. 
Die Arbeitsteilung ist die Einrichtung, durch welche die Kooperativ 1 
l ) Völkerreichtum I, S. 7, B. I, Kap. I.
	        
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