Object : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Einteilung  der  Hausinduftrie

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Mit  diefer  Abstufung  ift  natürlich  nicht  gefagt,  dafz  die  Perfonen  der  einzelnen ­
  Gruppen  hinfic.htlich  ihrer  wirtfchaftlichen  Lage  von  Stufe  zu  Stufe
tiefer  finken.  Es  ift  ganz  gut  möglich,  da|z  Angehörige  der  erften  Gruppe  trotz
ihrer  geringen  Abhängigkeit  aus  perfönlichen  oder  aus  andern  das  ganze
Gewerbe  angehenden  Gründen  wirtfchaftlich  fchlechter  ftehen  als  andere
zur  dritten  Gruppe  gehörige  Heimarbeiter.
Die  Stellung  des  Hausinduftriellen  zum  Verleger  geftaltet  fich  nach  mehrern
Richtungen  verfchieden,  fobald  eine  dritte  Perfon  das  zwifchen
beiden  beftehende  Gefchäftsverhältnis  vermittelt.
Die  vermittelnde  Tätigkeit  war  im  Verlagstum  von  jeher  fehr  bedeutend.  Hier
find  Verleger  und  Arbeiter  nicht  blojz  durch  ihre  foziale  Stellung,  fondern  auch
räumlich  oft  recht  weit  voneinander  getrennt.  Reichen  doch  die  Fäden,  die  von
einem  grofzen  Verlagszentrum  ausgehen,  nicht  blojz  von  der  Stadt  auf  das
umgebende  Land  und  die  Vororte,  fondern  bis  in  ferne  Provinzen  und  Landesteile, ­
  ja  bis  in  fremde  Staaten  hinein.
Das  Verhältnis  von  Hausinduftriellen  und  Verleger  wird  fo  gut  wie  gar  nicht
verändert  durch  die  Exiftenz  des  Boten,  der  rein  mechanifch  den  Verkehr
zwifchen  Verleger  und  Produzenten  vermittelt,  den  Rohftoff  ins  Haus  bringt,
die  fertige  Ware  abholt  und  den  Lohn  überbringt.  Diefelben  Dienfte  beforgt  in
einigen  Induftrien  der  fogenannte  A  u  f  fe  h  e  r,  der  außerdem  die  Produktion
zu  überwachen,  den  Arbeitern  bei  derfelben  Hilfe  zu  gewähren  hat  und  fie
darum  periodifch  bei  ihrer  Arbeit  auffuchen  mufz.
Eine  wichtigere  Stellung  nimmt  der  Faktor  (Ferger,  Fergger)  ein. 1 )
Er  handelt  ftets  als  Stellvertreter  des  Verlegers  und  in  deffen  Namen,  teilt  aber
die  Aufträge  nach  freiem  Ermeffen  an  die  Arbeiter  aus.  Dadurch  erhält  er
eine  foziale  Machtftellung  gegenüber  dem  Arbeiter,  der  vom  Faktor  häufiger
abhängiger  ift  als  vom  Verleger,  z.  B.  in  flauer  Gefchäftszeit,  wo  die  Arbeitsaufträge ­
  nicht  zahlreich  find.  Der  Lohn  des  Heimarbeiters  wird  von  diefem
nicht  mit  dem  Faktor,  fondern  mit  dem  Verleger,  wenn  auch
durch  den  Faktor  vereinbart.  Der  Faktor  felbft  erhält  feine  Bezahlung  vom
Verleger  entweder  als  feftes  Gehalt  oder  als  Provifion  im  Verhältnis  zur
Quantität  der  durch  feine  Vermittlung  hergeftellten  Waren  oder  zur  Summe  der
verausgabten  Arbeitslöhne.  Die  Faktoren  waren  früher  häufiger  als  jetzt.
Immerhin  kommen  fie  auch  jetzt  noch  vor  in  den  alten  ländlichen  Hausinduftrien,
  fo  in  der  Weberei  und  Stickerei.
’)  Die  Namen  „Faktor“  und  „Zwifchenmcifter“  werden  durchaus  nicht  überall  in
demfelben  Sinne  gebraucht.  Häufig  werden  fie  im  Sprachgebrauch  wie  in  der  Wiffenfchaft
  als  gleichbedeutend  behandelt.  Die  hier  gegebene  Unterfcheidung  lehnt  fich
zum  Teil  an  Liefmann  an  (a.  a.  0.  90  ff).
            
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