Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

erhoben  worden  ist.  Es  genügt  jedoch,  sie  der  physiokratischen  Auffassung
der  Gesellschaft  gegenüberzustellen,  um  ihre  Überlegenheit  ersichtlich  zu
machen.
Die  Physiokraten  stellten  sich  die  Volkswirtschaft  unter  einer  Reihe
von  übereinandergelagerten  Klassenschichten  vor.  Die  Landleute
trugen  gewissermaßen  auf  ihren  Schultern  den  ganzen  Rest  der  Gesellschaft, ­
  dem  sie  einen  Teil  des  von  ihnen  dem  Boden  selbst  abgewonnenen
Nahrungssaftes  abgaben.  Daher  kam  die  überwiegende  Bedeutung  der
land-wirtschaftlichen  Klasse,  und  die  Notwendigkeit,  ihren  Interessen  das
ganze  volkswirtschaftliche  System  unterzuordnen.  Smith  betrachtet  im
Gegenteil  die  soziale  Gütererzeugung  in  ihrer  Gesamtheit  als  das  Ergebnis ­
  einer  Reihe  von  nebeneinander  bestehenden  und  aufeinander
angewiesenen  Unternehmungen,  zwischen  denen  der  Güteraustausch  die
Verbindung  herstellt.  Der  Fortschritt  eines  jeden  Tätigkeitszweiges  ist
daher  eng  mit  dem  Fortschritt  aller  anderen  verbunden.  Keine  der  jedem
Tätigkeitszweige  entsprechenden  Klassen  hat  die  alleinige  Aufgabe,  für
den  Lebensunterhalt  der  anderen  zu  sorgen.  Sie  sind  alle  gleicherweise
unentbehrlich.  Der  Handwerker,  der  dem  Landarbeiter  die  Mühe  des
Baues  seines  Hauses  oder  der  Anfertigung  seiner  Kleider  erspart,  trägt  unter
dieser  Form  zur  Vermehrung  des  landwirtschaftlichen  Produktes  bei,
ebenso  wie  der  Landarbeiter,  indem  er  es  dem  Handwerker  erspart,
Furchen  zu  ziehen  und  die  Saat  auszusäen,  seinerseits  zur  Vergrößerung
der  industriellen  Produktion  beiträgt.  Das  Wachstum  des  nationalen
Reichtums  besteht  daher  nicht  in  einer  Erhöhung  des  „produit  net“  allein,
sondern  in  der  Vermehrung  aller  der  dem  Verbraucher  zur  Verfügung
stehenden  Gegenstände.
Als  klare,  praktische  Folge  dieser  Auffassung  ergibt  sieh,  daß  die
Steuer  nicht,  wie  es  die  Physiokraten  wollten,  von  einer  einzigen  Klasse
getragen  werden  soll.  Sie  muß  Alle  gleichmäßig  treffen.  Der  einzigen
Steuer  setzt  Smith  eine  vielfache  Steuer  gegenüber,  die  gleichzeitig  alle
Einkommensquellen,  die  Arbeit  und  das  Kapital,  ebenso  wie  den  Boden
in  Anspruch  nimmt,  —•  und  er  faßt  sie  in  dem  folgenden  Grundsatz  zusammen: ­
  „Die  Untertanen  jedes  Staates  müssen  zur  Unterstützung  der
Staatsgewalt  so  genau  als  möglich  nach  Verhältnis  ihres  Vermögens  beitragen, ­
  d.  h.  nach  Verhältnis  der  Einkünfte,  die  ein  jeder  unter  dem  Schutz
des  Staates  genießt“ 1 ).  Dies  ist  der  berühmte  Grundsatz  von  der  Pro-Dies

  ist  der  erste  der  vier  berühmten  Grundsätze,  die  Smith  an  den  Anfang
seiner  Steuertheorie  stellt.  Die  drei  anderen  lauten:  TI.  Die  Steuer,  die  jeder  einzelne
Bürger  zu  zahlen  verbunden  ist,  muß  genau  bestimmt  und  nicht  willkürlich  sein.  Die
Zeit  der  Zahlung,  die  Art  und  Weise  derselben,  die  Summe,  welche  gezahlt  werden  soll:
alles  das  muß  dem  Steuerpflichtigen,  sowie  jeder  anderen  Person  klar  und  deutlich
sein  ...  III.  Jede  Steuer  muß  zu  der  Zeit  und  auf  die  Weise  erhoben  werden,  zu  welcher
und  auf  welche  es  dem  Steuerpflichtigen  am  leichtesten  fällt,  sie  zu  bezahlen  .  .  -
            
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