Die Werttheorie (Fortsetzung)
nutzen bestimmt werden, sondern durch den Wertder Pro-
duktionsmittel („die Produktionskosten‘), der seinerseits
vom Wert und Grenznutzen des „Grenzprodukts‘“ bestimmt wird,
d. h. desjenigen Produkts, dessen Grenznutzen am geringsten ist.
Hier tritt also das oben bereits erwähnte Substitutionsgesetz in
Kraft. Also mit Ausnahme des „Grenzproduktes‘“ bilden für alle
Arten der „produktionsverwandten Güter°®‘ die Produktions-
kosten den hbestimmenden Faktor, doch wird diese Größe selbst,
d. h. der Wert der Produktionsmittel, vom Wert des Grenzpro-
dukts, von seinem Grenznutzen bestimmt: ‚In letzter Linie‘ er-
scheint der Grenznutzen als bestimmende Größe, das Gesetz der
Produktionskosten aber als ein ‚partikuläres Gesetz‘, da die
Kosten nicht die endgültige, sondern immer
nur eine Zwischenursache des Güterwerts
sind®.‘“ Soweit die von der neuen Schule aufgestellte Wert-
theorie der Produktivgüter in allgemeinen Zügen. Wenden wir
uns der Kritik dieser Theorie zu und fangen wir mit seinem Grund-
gedanken an, nämlich der Abhängigkeit des Wertes der Pro-
duktionsmittel von dem Werte des Produkts‘. Das Sinken der
Warenpreise im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt
war die wichtigste empirische Tatsache, die der „alten“ Theorie
zugrunde lag, welche besagte, daß die Produktionskosten einen
Faktor darstellen, der den Wert (respektive den Preis) des Pro-
duktes bestimmt. Der Zusammenhang zwischen der Verringe-
rung der Produktionskosten und dem Sinken der Warenpreise
schien völlig klar. Auf dieses Phänomen muß Böhm-Bawerk vor
allem als auf einen Prüfstein für seine eigene Theorie verwie-
sen werden.
Hier stellt Böhm-Bawerk folgende Betrachtungen an:
Nehmen wir an — sagt er — es werden neue Kupferlager
entdeckt. Dieser Umstand wird (falls nicht eine entsprechend
große Steigerung der Nachfrage vorausgesetzt wird) eine Senkung
des Wertes der Kupferprodukte hervorrufen. Der Anstoß dazu
59 Unter „produktionsverwandten Güter‘ versteht Böhm-Bawerk diejenigen
N RE gleiche Produktionsmittel produziert werden. (Ib. S. 70.)
% Wir haben hier die reproduzierbaren „Güter“ im Auge. Die Theorie
der nicht reproduzierbaren Güter (und ihres Preises, nicht ihres Wertes, wenn
man die Marxsche Terminologie anwendet) würde eine besondere Unter-
suchung erfordern. Unseres Erachtens ist gerade die Werttheorie der‘ frei
reproduzierbaren Güter wichtig, da hier die Richtung der gesamten gesell-
schaftlichen Entwicklung verläuft, die Gesetze der letzteren aufzufinden, ist
eben die Hauptaufgabe der politischen Oekonomie. Ein Beispiel einer Preis-
theorie für nicht reproduzierbare Güter ist die Marxsche Theorie der Rente
im Zusammenhang mit der Frage des Bodenpreises.
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