Full text : Die Frau und die Arbeit

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weil  ihre  Moral  im  allgemeinen  eine  höhere  ist,  wird  sie
dem  Krieg  ein  Ende  bereiten,  sobald  ihre  Stimme  allgemein, ­
  entscheidend  und  klar  sich  in  der  Staatenlenkung
Gehör  verschaffen  wird  —  sondern  weil  in  diesem  einen
Punkt  und  fast  allein  in  diesem  einen  das  Wissen  der  Frau,
einfach  als  Frau,  dem  des  Mannes  überlegen  ist.  Sie  kennt
die  Geschichte  des  menschlichen  Fleisches,  sie  weiß,  was
es  kostet,  er  nicht.*
In  einer  belagerten  Stadt  mag  es  Vorkommen,  daß  die
Leute  in  den  Straßen,  um  die  Breschen  zu  verstopfen,  die
der  Feind  in  die  Wälle  geschlagen,  Statuen  und  Marmorbilder ­
  aus  öffentlichen  Gebäuden  und  Galerien  reißen  und
sie  hinwerfen,  unbedenklich,  nur  weil  sie  ihnen  gerade  zur
Hand  sind,  ohne  sie  höher  zu  achten,  als  wären  sie
Pflastersteine.  Aber  einer  wird  das  nie  tun  —  der  Bildhauer ­
  !  Er,  der,  wenn  auch  kein  Werk  seines  eigenen  Meißels ­
  darunter  ist,  doch  wohl  weiß,  was  jedes  dieser  Kunstwerke ­
  gekostet  hat,  aus  Erfahrung  weiß,  wieviel  Jahre  des
Kampfes  und  Studiums,  welche  unendliche  Mühe  das
Schaffen  jedes  einzelnen  Gliedes  kostet,  das  Meißeln  jeder ­
  dieser  vollendeten  Linien,  er  könnte  niemals  gedanken-
  und  sorglos  so  verfahren.  Instinktiv  würde  er  nach
anderen  Dingen  suchen,  Hausrat,  selbst  alles  Gold  und
Silber,  das  die  Stadt  besitzt,  hinwerfen,  ehe  er  diese  Kunstwerke ­
  opferte!
Menschenleiber  sind  die  Kunstwerke  von  uns  Frauen.
Gebt  uns  die  Macht,  es  zu  hindern,  und  wir  werden  sie  nie
achtlos  hinwerfen,  um  damit  die  Risse  auszufüllen,  die
durch  internationalen  Ehrgeiz  oder  Habgier  indenmensch* ­
  Es  ist  bemerkenswert,  daß  selbst  Katharina  v.  Rußland,  eine  Herrscherin ­
  und  Staatsmännin  von  männlichem  und  hartem  Typus  und  im  allgemeinen ­
  nicht  von  moralischen  Skrupeln  geplagt,  dennoch  mit  Entrüstung ­
  das  Angebot  Friedrichs  des  Großen,  der  sie  reichlich  für  eine
kleine  Anzahl  russischer  Rekruten  bezahlen  wollte,  zurückwies,  zu  einer
Zeit,  da  das  Verheuern  von  Soldaten  allgemein  unter  den  Herrschern
Europas  üblich  war.
            
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