Full text : Die Frau und die Arbeit

ob  Mann  oder  Frau,  die  diesen  Standpunkt  erreicht  haben,
bedarf  es  nicht  der  Erleuchtung  durch  den  Instinkt  der
Gebärerin  als  solche.  Denn  ihre  Verurteilung  des  Krieges
erwächst  nicht  so  sehr  aus  der  Tatsache  vergeuderischer
Zerstörung  von  Menschenfleisch,  als  daraus,  daß  sie  im
Krieg  ein  Zeichen  des  Mangels  jener  Einheit,  jener  Harmonie ­
  erkennen,  die  in  dem  Rufe  lebt:  „Kinder,  liebet  einander ­
  !“
Aber  für  die  große  Masse  der  Menschen  wird  wahrscheinlich ­
  noch  durch  Generationen  der  instinktive  Antagonismus ­
  der  Gebärerin  gegen  die  rücksichtslose  Zerstörung
dessen,  was  sie  um  so  hohen  Preis  geschaffen  hat,  nötig
sein,  um  die  Menschheit  zu  klarem  Begreifen  der  Bestialität ­
  und  des  Wahnsinnes  des  Krieges  zu  erziehen.
Der  Krieg  wird  auf  hören,  sobald  Bildung  und  Tätigkeit
es  der  Frau  ermöglicht  haben  werden,  ihren  Teil  an  Herrschaft ­
  und  Einfluß  im  Leben  der  modernen  Nationen  zu
erlangen;  er  wird  wahrscheinlich  nicht  früher  verschwinden ­
  und  kaum  viel  später.  Speziell  in  der  Domäne  des
Kriegs  haben  wir,  die  wir  die  Männer  gebären  und  damit
das  wertvollste  Kriegsmaterial  liefern,  wir,  die  zwar  nicht
in  der  Hitze  des  Gefechts,  aber  einsam  und  allein  mit  verzweifeltem ­
  Mut  unser  Blut  vergießen  und  dem  Tod  ins
Antlitz  schauen,  daß  dem  Schlachtfeld  sein  Futter  werde,
ein  Futter,  das  uns  teurer  ist  als  unser  Herzblut  —  speziell ­
  wir  haben  in  der  Domäne  des  Kriegs  unser
Wort  dreinzureden,  ein  Wort,  das  kein  Mann  für  uns
sprechen  kann.  Es  ist  unser  Wille,  auch  in  das  Gebiet  des
Kriegs  einzudringen  und  solange  darin  zu  arbeiten,  bis  wir
ihm  im  Laufe  der  Generationen  ein  Ende  bereitet  haben.
Wenn  wir  heute  auf  allen  Gebieten  Arbeit  fordern,  so
fordern  wir  sie  auf  jenen  Feldern  besonders,  auf  denen
die  Unterschiede  der  Geschlechtsfunktionen  Mann  und
Frau  auf  einigermaßen  verschiedenem  Standpunkt  dem
menschlichen  Leben  gegenüberstellen.

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