Full text : Die Frau und die Arbeit

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an  ihrer  göttlichen  Aufgabe  der  Mutterschaft  genügen  lassen ­
  und  nichts  anderes  begehren“,  mit  Ernst  zu  begegnen.
Wäre  es  der  Mühe  wert,  auf  solche  müßige  Theorien  im
Ernst  einzugehen,  so  würden  wir  entgegnen:  Während  all
der  Jahrhunderte  der  Vergangenheit,  da  wir  mit  schwerem
Schoß  und  hartgearbeiteten  Händen  physische  Arbeit  an
der  Seite  des  Mannes  verrichteten,  mit  unserer  Hände  Arbeit ­
  die  Welt  um  uns  her  aufbauten,  fiel  es  niemandem  ein,
uns  zu  sagen:  „Ihr,  die  ihr  der  Menschheit  Kinder  gebäret,
erfüllt  mit  dieser  einen  Leistung  eine  Aufgabe,  die  alle  andern ­
  aufwiegt,  darum  beschwören  wir  euch,  laßt  alle  andere ­
  Arbeit,  laßt  das  Pflanzen  und  Bauen,  bückt  euch  nicht
länger  über  den  Mahlstein,  sitzt  nicht  bis  tief  in  die  Nacht
hinein  am  Webstuhl  bei  den  Gewändern  für  uns  und  unsere
Kinder!  Überlaßt  das  alles  uns,  wir  wollen  für  euch  säen
und  ernten  und  weben  und  arbeiten  und  uns  plagen  für
euch,  geheiligte  Mütter!"  Diesen  Ruf  haben  wir  in  all  den
finsteren  Zeiten  arbeitsschwerer  Vergangenheit  nie  vernommen. ­

Und  heute  ?  Wie  ist  es  denn  da  um  den  edlen  Theoretiker
bestellt,  der  im  Salon  mit  fleckenloser  Hemdbrust  und
tadellos  sitzendem  Anzug  vor  dem  Kamin  stehend,  über  die
Hoheit  der  Mutterschaft  peroriert,  über  den  gewaltigen
Wert  dieser  mütterlichen  Leistung,  die  jede  andere  überragt ­
  und  die  Frau  von  der  niedem  und  rohen  Arbeit  des
Mannes  enthebt  —  ist  es  so  sicher,  daß  er  sich  auch  im  Alltagsleben ­
  immer  seiner  Theorien  erinnert?  Wie,  wenn  er
des  Morgens  erwacht  und  die  alte  Hausmagd,  die  beim
Morgengrauen,  während  er  noch  ruhig  schläft,  aufsteht,
um  seine  Schuhe  zu  putzen  und  seinen  Tee  zu  kochen,  einmal ­
  die  Schuhe  schlecht  bürstet  oder  den  Tee  später  bringt,
wird  er  sie  nicht  scharf  anlassen  und  ihr  zu  verstehen
geben,  daß  er  sie  nicht  brauchen  kann,  wenn  sie  nicht  früher ­
  aufsteht  und  mehr  arbeitet?  Oder  wird  er  sie  anrufen:
„Göttliche  Gebärerin,  du,  der  die  heilige  Kraft  zur  Mutter-
            
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