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subtil von andern unterscheiden, während jene Eigen
schaften, die ihnen fehlen, unnütz geworden sind. Eben
jenes mehr nachdenkliche als kampflustige Wesen, das sie
einst zu Sklaven machte, bewahrte sie auch davor, durch
Kriege dahingerafft zu werden, und die Beweglichkeit ihres
Verstandes, der vorsichtige Scharfsinn, die beharrliche gei
stige Emsigkeit und Selbstbeherrschung, die sie in jenen
Zeiten nicht vor Erniedrigung bewahren oder für ihren
Mangel an Knochen und Muskeln entschädigen konnten,
sind jene Eigenschaften, die die moderne Welt braucht
und ehrt. Die Tage des Goliath mit seiner Keule und sei
nen Flüchen schwinden dahin, und der Tag des David mit
der Harfe und der kunstfertig erdachten Schlinge kommt
näher und näher.
Die Eigenschaften, die einem Tier, einer Rasse oder
einem Individuum höheren Nutzen oder soziale Vorherr
schaft verleihen, werden immer von jeder Veränderung der
äußern Verhältnisse beeinflußt. Sowie das Rad des Lebens
sich langsam umdreht, kommt das, was zu unterst war,
langsam zu höchst, und der Herrschende wird zum Unter
gebenen.
Infolge ihres verhältnismäßig geringeren Gewichts und der
schwächeren Entwicklung ihrer Muskeln, welche fast allen
weiblichen Geschöpfen, die ihre Jungen säugen, eigen sind,
und infolge der geringen Kampflust, die fast alle ihre Jungen
lebend zur Welt bringenden Weibchen charakterisiert,
haben der Frau zahllose Generationen hindurch die beiden
Eigenschaften gefehlt, die den Individuen ein Herrschafts
recht in der Gesellschaft verliehen haben. Möglicherweise
aber wird es sich in Zukunft heraussteilen, daß die Ent
wicklung, welche mit der Unentbehrlichkeit von Muskel
kraft und Faustrecht aufgeräumt hat, auch den Platz der
Frau auf der Leiter sozialer Werte verändert habe.
Gleich dem Juden, dem Mannestypus, der von dem in der
Vergangenheit herrschenden am weitesten ab weicht, dürfte