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geketteten Bein lüftete die Flügel. Sie saßen um ihn herum
und spekulierten und stritten, und einer sagte dies und der
andere jenes. Und die ganze Zeit, während sie sprachen,
saß der Vogel regungslos und blickte unverwandt in den
klaren, blauen Himmel hinauf. Endlich meinte einer: „Wie
wäre es, wenn wir ihn losließen, um zu sehen, was er be
ginnt?“ Der Vogel zitterte, aber die andern schrien: „Was
fällt Euch ein, er ist viel zu wertvoll. Er könnte verloren
gehen, wenn er vielleicht zu fliegen versuchen würde und
herunter fiele und das Genick bräche.“
Und der Vogel mit seinem angeketteten Fuß saß und
blickte aufwärts zum blauen Himmel, dem Himmel, in dem
er noch niemals gewesen — der Vogel, er wußte, was er
wollte — denn — es war ein junger Adler!
Viele von uns kennen eine Frau, wie sie jeder Mensch nur
einmal auf Erden kennt, und daß wir diese Frau kennen,
das ist es, worauf wir unsere Gewißheit gründen.
Für jene, die keine solche Frau kennen und auf diesen
festen Grund nicht bauen können, mag es ja gut und nütz
lich sein, sorgsam Tatsachen zu sammeln und darüber
nachzudenken und darauf Ansichten zu basieren. Es mag
selbst vorteilhaft sein, sich keinerlei bestimmte Ansicht zu
bilden, sondern abzuwarten, bis die Jahre praktischer Er
fahrung alle Zweifel beseitigt haben. Für uns aber, die wir
für unsere Überzeugung einen Grund haben, den wir
Außenstehenden nicht beweisen können, für uns ist es wohl
besser, furchtlos zu handeln als viel zu argumentieren.
Schließlich ließe sich gegen den Eintritt der Frauen in
die neuen Arbeitsfelder vielleicht noch folgendes sagen,
was auch tatsächlich oft eingewendet wird: Wie, wenn
man euch alles, wonach ihr begehrt, einräumte — wenn es
völlig anerkannt würde, daß die alten Arbeitsgebiete der
Frau ihr entschwinden und daß, wenn sie keine neuen fin
det, sie in einen Zustand von Geschlechtsparasitismus ver
fiele, der sie von ihrer Fortpflanzungsfähigkeit allein ab-