Full text : Die Frau und die Arbeit

Frauen  bei  allen  Hochschulprüfungen,  zu  denen  sie  zugelassen ­
  wurden,  sowie  ihre  allgemeine  erfolgreiche  Tätigkeit
im  Gemeindedienst,  wo  immer  sie  an  demselben  teilnehmen
durften,  ihre  geistige  und  sittliche  Eignung  für  diese  neuen
Arbeitsfelder  beweisen.
All  diese  Tatsachen  sind  sicherlich  interessant  und  dürften ­
  unwiderleglich  sein.  Und  doch  —  um  der  Wahrheit  die
Ehre  zu  geben,  sind  es  schließlich  nicht  diese  Gründe,  auf
die  viele  von  uns  ihre  Hoffnungen,  ja  die  Gewißheit  basieren, ­
  mit  der  sie  in  die  Zukunft  blicken.  Unsere  Überzeugung
von  dem  vollen  Ausreichen  ihrer  Kräfte  für  die  Erfüllung
hoher  Aufgaben  auf  diesen  neuen  Gebieten  fußt  nicht  auf
einer  verstandesmäßigen  Aufzählung  dessen,  was  einzelne
Frauen  oder  Frauengruppen  in  der  Vergangenheit  oder
Gegenwart  erreicht  oder  geleistet  haben;  sie  hat  eine  andere ­
  Quelle.
Es  war  einmal  ein  Mann,  der  fand  ein  Vogelei;  er  trug  es
heim  und  ließ  es  von  seiner  Haushenne  ausbrüten.  Als  das
Kücken  ausgekrochen  war,  band  der  Mann  es  am  Fuß  an
einen  Pfahl,  damit  es  sich  nicht  verlaufe.  Und  die  Leute
standen  um  das  Kücken  herum  und  studierten,  was  für
ein  Vogel  es  wohl  sein  möge.  Der  eine  sagte:  „Es  ist  sicher
ein  Schwimmvogel,  eine  Ente  oder  eine  Gans;  wenn
wir  es  ins  Wasser  würfen,  würde  es  schwimmen  und  schnattern.“ ­
  Aber  ein  anderer  meinte:  „Es  hat  keine  Schwimmhäute ­
  an  den  Füßen,  es  ist  ein  Haushuhn,  laßt  es  nur  frei,
so  wird  es  mit  den  andern  auf  dem  Misthaufen  scharren
und  gackern.“  Ein  dritter  rief:  „Seht  nur  seinen  gebogenen ­
  Schnabel.  Ein  Papagei  ist  es,  gebt  ihm  Nüsse  zu  knakken.“
  Und  ein  vierter:  „Schaut  nur  seine  Flügel  an,  vielleicht ­
  ist  es  gar  ein  Vogel,  der  hoch  fliegen  kann.“  Aber
da  riefen  andere:  „Unsinn,  nie  hat  ihn  noch  jemand  fliegen
gesehen,  wie  sollte  er  denn  fliegen  können  ?  Wie  kann  man
denn  glauben,  daß  er  etwas  kann,  was  er  noch  nicht  versucht ­
  hat  ?“  Und  der  Vogel  —  der  Vogel  mit  seinem  fest139 ­


            
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