Full text : Die Frau und die Arbeit

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bestünde,  die  Frau  um  ihrer  selbst  und  der  Menschheit  willen ­
  nichts  besseres  tun  könnte,  als  so  rasch  wie  möglich  all
ihre  Bestrebungen  nach  Wissen  und  Erreichung  neuer
Tätigkeitsgebiete  beiseite  zu  legen.
Man  bedenke,  welchen  Faktor  die  geschlechtliche  Anziehung ­
  im  Empfindungsleben  bildet,  von  der  fast  unbewußten ­
  Anziehung  angefangen,  die  Amöbe  zu  Amöbe
zieht,  durch  alle  endlos  fortschreitenden  Lebensformen
hindurch;  wie  sie  bei  den  monogamen  Vogelarten  in
Gesang  und  vielfältigem  Liebeswerben  und  manchmal  in
lebenslanger  ehelicher  Liebe  sich  ausdrückt;  wie  sie
auch  im  Menschengeschlecht  die  verschiedensten  Formen ­
  durchläuft,  von  der  gebieterischen,  aber  fast  rein
physischen  Anziehung  der  Geschlechter  bei  den  Wilden
bis  zu  den  ästhetischen  und  geistigen,  aber  nicht  minder
gebieterischen  Formen,  die  sie  bei  hochentwickelten  Männern ­
  und  Frauen  annimmt,  wo  sie  sich  in  den  Liedern  der
Dichter  und  in  der  oft  unsterblichen  Treue  reichbegabter
Persönlichkeiten  birgt.  So  begegnen  wir  ihr  nicht  nur  allüberall, ­
  sondern  erkennen  in  ihr  das  Fundament,  auf  dem
das  ganze  Empfindungsleben  ruht  —  unausrottbar,  wenn
auch  unendlich  veränderlich  in  Form  und  Ausdruck.  Man
bedenke,  welche  Rolle  die  Anziehung  zwischen  Mann  und
Frau  innerhalb  der  Menschenwelt  spielt,  angefangen  von
den  Schlachten  und  Tänzen  der  Wilden  bis  zu  den  Intrigen
und  Festen  in  Palästen  und  an  modernen  Höfen.  Man  bedenke, ­
  daß  die  leidenschaftliche  religiöse  Askese  aller  Zeiten, ­
  Geißeln  und  Fasten  in  Nonnen-  und  Mönchsklöstern
niemals  imstande  war,  die  Herrschaft  dieses  Gefühls  zu
tilgen  oder  auch  nur  ernstlich  für  den  Moment  zu  schwächen. ­
  Man  bedenke,  daß  in  niedrigster  und  rohester  Unwissenheit ­
  wie  in  höchster  geistiger  Kultur  die  Menschheit ­
  diesem  Gefühl  gleich  stark,  wenn  auch  in  verschiedener ­
  Weise,  unterworfen  blieb.  Und  heute  noch  klingt  es
ebenso  aus  dem  rohen  Gelächter  der  Schnapsbuden,  den
            
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