Full text: Die Frau und die Arbeit

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tiefes leidenschaftliches Geschlechtsempfinden als durch 
die seltene Entwicklung ihres Intellekts gekennzeichnet. 
Niemals in der Geschichte der Menschheit hat hohe In 
telligenz und Geisteskraft dazu beigetragen, Mann oder 
Frau dem andern Geschlechte reizlos zu machen. Keine 
noch so elegant gekleidete, aber unintelligente Frau wird 
wohl je dieselbe Intensität tiefen Sexualgefühls selbst unter 
ihr wesensähnlichen Männern erweckt haben, wie es eine 
George Sand hervorrief, die mit unsterblicher Kraft meh 
rere der bedeutendsten Männer ihrer Zeit fesselte, selbst als 
sie nicht mehr jung war, dick und unförmlich, in abge 
tragenem schwarzen Kleid in einem rauchigen Lokal Ziga 
retten drehte und sich über allen Putz, mit dem weniger an 
ziehende Frauen ihre verborgenen Mängel zu verdecken 
suchen, lustig machte. In keinen hoffnungsloseren Irrtum 
könnte ein Asket verfallen, als wenn er sich einbildete, die 
Ausrottung der Geschlechtsliebe und der Anziehung der 
Geschlechter durch erhöhte Reife, Intelligenz und erhöhtes 
Wissen erreichen zu können. Wohl mag er dadurch diese 
Empfindungen verfeinern und stark konzentrieren, aber 
auch verstärken, so wie ein breiter, seichter, langsam flie 
ßender Strom nicht versiegt, sondern an Kraft und Bewe 
gung zunimmt, wenn sein Lauf bestimmt, sein Bett tiefer 
eingeschnitten wird. 
Wenn wir ferner jene sekundären Offenbarungen des Ge 
schlechtsempfindens in Betracht ziehen, die sich im Ver 
hältnis der Erzeuger zu ihren Nachkommen ausdrücken, so 
sehen wir womöglich noch deutlicher, daß erhöhte Intelli 
genz und Selbständigkeit die Stärke der Zuneigung nicht 
vermindert, sondern erhöht. Sowie der primitive, unwis 
sende Mann, der oft willig sein Kind verkauft, oder wenn es 
ein Mädchen ist, es aussetzt, mit wachsender Kultur und In 
telligenz zu dem höchst aufopfernden, hingebenden Vater 
unserer zivilisierten Gesellschaft wird, so, ja noch entschie 
dener, wird die Beziehung der Frau zu ihrem Kind mit dem
	        
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