.
1 54
Frauen in neue Arbeitsgebiete und ihre größere Freiheit
und Intelligenz werde die Beziehungen der Geschlechter er
schüttern, und während sie von ihrem rein persönlichen
Standpunkt aus unzweifelhaft im Rechte sind, haben sie in
bezug auf die Menschheit als Ganzes entschieden unrecht.
Der Verlust eines kleinen ungesunden Teiles wäre ein Ge
winn für die Menschheit als Ganzes.
Für den männlichen Wollüstling von schwachem Intellekt
und reizloser Persönlichkeit, der bei Befriedigung seiner
Geschlechtsinstinkte sowohl bei dem schreiend barbari
schen geschlechtlichen Handel außerhalb der Ehe, wie bei
dem nicht minder barbarischen, nur etwas verschleierteren
Handel innerhalb derselben nicht auf seine Fähigkeit, die
Neigung und Bewunderung der Frau zu gewinnen, sondern
nur auf ihre Käuflichkeit rechnen kann, — für den bedeutet
der Zutritt der Frauen zu den neuen Arbeitsgebieten, ihre
höhere Bildung und ökonomische Unabhängigkeit fast so
viel wie sozialer Untergang. Für jene Männer aber, die
selbst heute die Mehrheit in unserer Gesellschaft bilden
und die mehr die Liebe und Kameradschaft der Frau als
ihren bloßen Besitz wünschen, für die Männer, deren kör
perliche und geistige Eigenschaften und Gaben geeignet
sind, abgesehen von allen materiellen Vorteilen, die Nei
gung der Frau auch bei voller Wahlfreiheit zu erwecken,
für diese wird der Gewinn ein entsprechend großer sein.
In einer Gesellschaft, in der die Mehrheit der Frauen frei
an allen Gebieten moderner Arbeit teilnimmt, für ihre Ar
beit vollwertig entlohnt wird und sich dadurch so weit
selbst erhalten kann, daß sie es nicht mehr nötig hat, sich
durch Heirat oder in einer andern Form als Geschlechts
wesen zu verkaufen, wird damit nicht eine Verringerung
der Zahl dauernder Geschlechtsverbindungen herbeige
führt, sondern vielmehr eines der schwersten Hindernisse
derselben beseitigt werden. Ein allgemein anerkannter
Mangel unserer sozialen Verhältnisse ist die wachsende