Full text: Die Frau und die Arbeit

neuen Arbeitsgebieten mehr oder weniger instinktiv auf der 
Furcht vor persönlichem Verlust basiert, gibt es zweifellos 
auch eine 'kleine, wenn auch sehr kleine Gruppe aufrich 
tiger Menschen, deren Angst, die Freiheit der Frau könnte 
zu einer Trennung der Geschlechter führen, auf abstrakte 
ren, unpersönlicheren Gründen ruht. 
Es ist nicht ganz leicht, durch genaue Prüfung einer An 
schauung gerecht zu werden, die sich meist in etwas nebu 
löser und unklarer Weise ausspricht; aber wir glauben die 
selbe nicht mißzuverstehen, wenn wir sagen, daß es eine 
Klasse ganz ehrlicher .und sogar ziemlich gescheidter Leute 
gibt, die ungefähr folgendes meinen: Der Eintritt der 
Frauen in neue Arbeitsgebiete erfordert soviel Verstandes 
bildung und eine derartige geistige und körperliche Ent 
wicklung der Frau, daß sie sich schließlich zu einem so 
viel höher stehenden Wesen als der Mann und zu einem so 
weit von ihm verschiedenen entwickeln wird, daß das 
Band der Sympathie zwischen den Geschlechtern dadurch 
zerstört werden muß und durch die Ungleichheit der Mann 
aufhören wird, Gegenstand der Liebe und Anziehung für 
die Frau und die Frau für den Mann zu sein. In der Zu 
kunft, wie sie diesen Leuten mehr oder weniger vorschwebt, 
würden die Männer genau so wie sie heute sind geblieben, 
die Frauen aber zu ungeahnten Höhen der Bildung und 
Intelligenz vorgeschritten sein, so etwa, daß der Hand 
werker, der kleine Beamte oder Farmer dem weiblichen 
Astronomen oder Philologen von außerordentlichem Wis 
sen und Genie als einzig mögliche Geschlechtsgefährten 
gegenüberstünden, und diese Vision erweckt natürlich bei 
diesen guten Leuten einige Zweifel daran, daß zwei so un 
gleiche Teile der Menschheit zueinander passen und für 
einander Sympathie empfinden könnten. 
Wären die beiden Geschlechter ganz verschiedene Spe 
zies, die, nachdem sie auseinandergehende Bahnen der Ent 
wicklung eingeschlagen, sich jn dieser Richtung durch un
	        
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