Studium der Frage wird beweisen, daß es sich von Seite
der Frau nicht um eine Bewegung handelt, die zu einer
Scheidung und Trennung der Geschlechter führt, sondern
daß es vielmehr eine Bewegung ist, die ihrem gan-
zenWesen nach die Frau dem Manne nähert, die
Geschlechter einander enger verbindet.
Viel wird heute von der „neuen Frau“ gesprochen (die,
wie wir darlegten, im wesentlichen die alte nicht parasi
tische Frau der Vergangenheit ist und nur daran geht, die
neue Tracht des zwanzigsten Jahrhunderts anzulegen), und
sie kann sich wahrlich nicht darüber beklagen, zu wenig
beachtet zu werden. Von allen Seiten wird sie beobachtet,
gepriesen, verurteilt, verfälscht und mißverstanden, lächer
lich gemacht oder vergöttert — aber nirgendwo wird ihre
Existenz übersehen.
Doch es besteht heute noch ein anderes soziales Phäno
men, das ganz ebenso wichtig, ebenso durchgreifend und
in seinen Wirkungen auf Gegenwart und Zukunft womög
lich noch weitreichender ist, aber obgleich es sich aller-
wärts fühlbar macht, nur wenig bewußte Aufmerksamkeit
oder Kritik erfährt. Im Schatten eines Baumes sitzen die
Leute oft jahraus, jahrein ohne zu merken, wie mit dem
Wachsen des Baumes der Schatten breiter und breiter
wird.
Seite an Seite mit der „neuen Frau“, übereinstimmend
mit ihr wie die zwei Seiten einer Münze, die in einer Form
gegossen, wohl oberflächlich voneinander abweichen, aber
vom selben Metall, derselben Größe und demselben Wert
sind; alt, wie sie alt ist, in dem Sinne einer Wiedergeburt
alter Daseinsformen seiner Rasse unter dem Druck neuer
Bedingungen; neu, wie sie neu ist, in dem Sinn einer An
passung an materielle und soziale Verhältnisse, die kein ge
naues Widerspiel in der Vergangenheit haben; weit ver
schiedener von seinen immittelbaren Vorgängern als selbst
die Frau von den ihren, Seite an Seite mit ihr in jeder
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