Full text: Die Frau und die Arbeit

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und Kameradschaft sucht, die sie ihm gibt, steht der neue 
Mann, der gerade das zu besitzen sich sehnt, was sie ihm 
bietet. Wenn die soziale Bewegung, in der die fortgeschrit 
tensten Frauen unserer Tage sich neuen Lebensbedingun 
gen anzupassen suchen, sie unendlich von gewissen primi 
tiven Männertypen entfernt, so entfernt dieselbe Bewegung 
ebenso den neuen Mann von jenem alten Frauentypus. Die 
sexuelle Tragik des modernen Lebens liegt nicht in der 
Tatsache, daß Frau und Mann sich von Grund aus ver 
schieden entwickeln, sondern darin, daß in der ungeheuren 
Verworrenheit unseres modernen Lebens forwährend die 
vorgeschrittensten Männer- und Frauentypen in regster 
persönlicher Verbindung mit den antiquiertesten Typen des 
anderen Geschlechtes stehen, daß zwischen Vater und 
Tochter, Mutter und Sohn, Bruder und Schwester, Mann 
und Frau manchmal nicht Jahre, sondern Jahrhunderte so 
zialer Entwicklung zu liegen scheinen. 
Nicht der Mann als Mann widersetzt sich dem Anpas 
sungsversuche der Frau an die neuen Lebensbedingungen, 
sondern noch öfter vielleicht kommt die Opposition von 
seiten ihrer eigenen zurückgebliebenen Geschlechtsgenos 
sinnen. Und es ist eine Tatsache, die keinen, der die mo 
dernen Zustände kennt, überraschen wird, daß unter den 
literarischen Werken aller Sprachen, die am entschieden 
sten für die Zulassung der Frau in neue Arbeitsgebiete ein- 
treten, die am rückhaltlosesten ihre erweiterte Bildung und 
volle Handlungsfreiheit fordern und die am leidenschaft 
lichsten alle künstlichen Schranken zwischen Mann und 
Frau niederzureißen suchen, viele der besten und weit 
gehendsten Werke von Männern sind. 
Der moderne Mann und die moderne Frau gleichen nicht 
Leuten, die, auf gleicher Höhe stehend, vom gleichen Aus 
gangspunkte aus zwei Straßen gehen, die sich um so mehr 
voneinander entfernen, je weiter man ihre Richtung ver 
folgt ; sie ähneln vielmehr zwei Menschen, die jeder von
	        
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