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Setzung. Wenn wir die Gesellschaft als Ganzes betrachten,
finden wir bei den Männern trotz gelegentlicher beruflicher
Eifersüchteleien und Gegnerschaft, daß die gemeinschaft
lichen Interessen und vor allem gemeinsame Arbeit die
stärksten Mittel sind, innige Verbindungen herzustellen, ja,
sie erscheinen tatsächlich als wesentliche Voraussetzung
für die Bildung der engsten und dauerndsten Freund
schaftsbeziehungen. In allen Kreisen, sei es welchen Ge
werbes oder Berufes, immer finden wir Männer, die sich
aus freier Wahl zu Männern ihres eigenen Berufes gesellen
und oft die tiefsten und dauerhaftesten Freundschaften mit
ihnen eingehen. Unter den intimsten Freunden eines
Rechtsanwaltes findet sich fast immer ein Kollege; der Ge
schäftsmann wird am öftesten in Gesellschaft seiner Ge
schäftsfreunde zu finden sein; der Arzt findet seine intimsten
Freunde in vielen Fällen unter seinen ehemaligen Studien
genossen, die mit ihm die verschiedenen Stadien des Be
rufslebens durchschritten haben; der Freund und freige
wählte Genosse des Schauspielers ist in der Regel der
Schauspieler, der des Gelehrten der Gelehrte, der des Land
wirtes der Landwirt, der des Seemanns der Seemann. So
allgemein ist dies, daß es fast auffallen und komisch wir
ken würde, wenn der Zechgenosse eines Kapitäns ein füh
render Politiker, der Duzfreund des Geistlichen Schauspie
ler und der intime Freund eines Farmers Astronom wäre.
Gleich und gleich gesellt sich gern. Die meisten Männer
suchen Klubs auf, in denen sie Berufsgenossen finden, und
besonders in vorgerückteren Jahren, wenn die Männer im
mer mehr in ihrem Beruf aufgehen, suchen sie Kamerad
schaft hauptsächlich unter ihren Mitarbeitern. Und das ist
auch unausweichlich; zwischen jungen Leuten mögen ge
meinschaftliche Vergnügungen eine Art Band knüpfen,
aber gemeinsame Arbeit, auf Grund gleicher Kenntnisse,
gleicher Gewohnheiten und gleicher Denkweise bilden ein
festeres Band, das die Menschen viel mächtiger zu nahem