Full text : Die Frau und die Arbeit

eigene  Heim  ersehne?  Ich  webe  das  Linnen  für  meinen
Haushalt,  für  die  Jahre,  die  kommen.  Die  Schränke  müssen
gefüllt  sein,  ehe  ich  ans  Heiraten  denken  darf.  Du  kannst
es  nicht  hören;  ich  aber  höre,  wenn  ich  allein  sitze  und
spinne  zwischen  dem  Schnurren  des  Spinnrades  in  weiter
Ferne  die  Stimme  meiner  noch  ungeborenen  Kinder,  und
sie  rufen  mir  zu:  „O  Mutter,  eile  doch,  wir  wollen  leben!“
—  und  manchmal,  wenn  ich,  über  mein  Rad  hinweg,  in  die
Sonne  zu  blicken  scheine,  sehe  ich  die  Glut  meines  eigenen ­
  Kamins,  und  der  Schein  erhellt  die  Gesichter,  die  ihn
umgeben;  und  ich  spinne  eifriger  und  schneller,  wenn  ich
an  die  Zukunft  denke.  Und  mich  frägst  du,  warum  ich
nicht  im  Felde  arbeite  mit  dem  Burschen,  den  ich  gewählt  ?
Ist  denn  seine  Arbeit  wichtiger  für  die  Errichtung  unseres
Heims,  als  die  meine?  O,  unverdrossen  will  ich  für  ihn  und
meine  Kinder  arbeiten,  viele,  viele  Jahre.  Jetzt  kann  ich
aber  nicht  länger  mit  dir  plaudern.  Die  Stimmen  meiner
Kinder  rufen,  und  ich  muß  mich  beeilen.  Und  mich  frägst
du,  warum  ich  nicht  neue  Arbeit  suche,  die  ich  alle  Hände
voll  zu  tun  habe?  Wer  soll  meinem  Volk  neue  Menschen
geben,  wenn  nicht  ich  ?“
So  hätte  unsere  Antwort  in  Europa  in  vergangenen  Zeiten
gelautet,  wenn  man  uns  gefragt  hätte,  wie  es  komme,  daß
wir  mit  unserem  Arbeitsfelde  zufrieden  seien  und  nichts
weiter  suchten.  Der  Mann  hatte  seine  Arbeit;  wir  hatten
die  unsere.  Wir  wußten,  daß  wir  unsere  Welt  auf  unseren
Schultern  trugen,  und  daß  sie  durch  unserer  Hände  Arbeit
gestärkt  und  erhalten  wurde  —  und  wir  waren  zufrieden.
Aber  jetzt  kam  wieder  ein  Wandel.
Etwas  ganz  Neues  trat  in  den  menschlichen  Arbeitskreis,
und  nichts  blieb,  wie  es  vorher  gewesen.
Im  Arbeitsfeld  des  Mannes  hat  sich  der  Wandel  vollzogen ­
  und  vollzieht  sich  immer  rascher.  Auf  einem  Stück
Land,  auf  dem  sich  einst  fünfzig  Männer  und  Burschen
mit  Zugvieh  plagten,  arbeitet  jetzt  ein  Dampfpflug,  nur  von
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