Full text: Die Frau und die Arbeit

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dem wir, als die Hälfte de6 Volkes, unseren vollen Köni 
ginnenanteil an den Pflichten und der Arbeit der Regie 
rung und Gesetzgebung. Langsam, aber sicher, so 
wie die alten Arbeitsfelder sich verschließen 
und hinter uns versinken, fordern wir den Ein 
tritt in die neuen. 
Wir erheben diese Forderung nicht allein um unsert 
willen, sondern zum Wohle der Menschheit. 
Ein Reiter, der allein in finsterer Nacht durch unbekann 
tes Land reist, dem mag es geschehen, daß er plötzlich 
sein Pferd unter sich scheuen fühlt, ja, daß es sich auf 
bäumt und ihn fast zur Erde schleudert. In der Finsternis 
wird er dem Tiere fluchen und meinen, es wolle ihn ein 
fach abwerfen, um sich für immer von seiner Last zu be 
freien. Aber, wenn dann der Morgen anbricht und die Hü 
gel und Täler beleuchtet, die er durchwandert hat, wird 
er rückwärts blickend erkennen, daß die Stelle, an der 
sein Tier gescheut hat, an der es wie festgenagelt stehen 
blieb und an der es sich weigerte, auf dem alten Weg zu 
bleiben, tatsächlich der Rand eines gewaltigen Abgrunds 
war. Ein Schritt weiter, und Roß und Reiter wären hinab 
gestürzt. Und er wird sich sagen, daß ein Instinkt, weiser 
als sein eigener, das Tier im Dunkel geleitet hatte, es zu 
rückweichen und einen neuen Pfad suchen ließ, auf dem 
sie beide vorwärts konnten.* 
In der Verwirrung und der Dunkelheit der Gegenwart 
mag es manchem scheinen, daß die Frau in ihrem Stre 
ben nach neuen Wegen und Arbeitsgebieten nur von un 
verantwortlichem Impuls getrieben sei, oder daß sie selbst 
süchtig nur ihren eigenen Vorteil im Auge habe auf 
Kosten der Menschheit, für deren Gedeihen sie so lang 
und treulich gesorgt hat. Aber, wenn eine hellere Zu 
kunft anbricht und die verdunkelnden Nebel der Gegen- 
* Wird nicht berichtet, daß selbst der Esel, den Bileam ritt, den Engel 
mit dem feurigen Schwert sah, nicht aber Bileam selbst?
	        
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