Full text: Die Frau und die Arbeit

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Einleitung. 
vom Verfasser vertretenen überein. Insbesondere wendet sich auch 
Spranger gegen die Uferlosigkeit in der Inhaltsbestimmung und die viel- 
fache Unklarheit des Begriffes dieser Wissenschaft und die tatsächliche 
Verschiedenheit des ihm zugeschriebenen Sinnes. Hier sei nur auf zwei 
Punkte kurz eingegangen: 1. Jede Erörterung der Kultur durch die So- 
ziologie lehnt Spranger ab. Die legtere hat es vielmehr nur mit der Ge- 
sellschaft zu tun. Streng von ihr zu unterscheiden sei eine Wissenschaft 
von der Kultur (Kulturlehre oder Kulturphilosophie), die im Gegensat 
zur analytischen Methode der Gesellschaftslehre synthetischen Charakter 
trägt. Dabei denkt Spranger an materielle Geschichtsphilosophie, also 
an Comte und seine Nachfolger. Nicht in den Kreis der Erwägung ge- 
zogen ist von ihm die Möglichkeit einer Kulturlehre, die ähnlich ana- 
lytisch wie die Gesellschaftslehre vorgeht, wie sie der Verfasser im vor- 
stehenden anzudeuten versucht hat. Gegen eine solche würden die hier 
vorgebrachten Bedenken, die sich auf die vollständige Verschiedenheit 
der Methode beziehen, keine Anwendung finden. 2. Spranger wendet 
sich gegen den Ausdruck: formale Soziologie, weil es auch die Gesell- 
schaftslehre mit einem (kulturellen) Inhalt zu tun habe, sofern nämlich 
die Sozialformen ebensogut wie die wissenschaftlichen Lehren oder reli- 
giöse Riten zum Bestande der Kultur gehören. Dabei hat Spranger 
aber nicht unterschieden zwischen den äußeren und organisatorischen 
Formen, durch die sich z. B. der Staat von der Familie und diese von der 
Nation unterscheidet, und jenen inneren Formen, die Simmel unter for- 
maler Soziologie versteht (z. B. Gehorsam, Hilfsbereitschaft, Führer- 
verhältnis, Strafe, Gruppenselbstbewußtsein usw.). Es scheint fast, als 
schwebten Spranger die ersteren vor. Wollte man diesem Gedanken 
nachgehen, so würde sich die Frage erheben, ob dann die Soziologie nicht 
mit der Geschichte oder Theorie der einzelnen menschlichen Organi- 
sationsformen zusammenfiele. Es ist dem Verfasser nicht klar, ob Spran- 
ger in der Tat auf diesem Standpunkt steht. Er würde dann in der Tat 
die Soziologie zu einer den übrigen Geisteswissenschaften (speziell den 
Sozialwissenschaften) nebengeordneten Disziplin machen im vollen 
Gegensag zu den Anschauungen, die von Simmel und den übrigen An- 
hängern der formalen Soziologie vertreten werden. 
Es besteht eine eigentümliche Spannung zwischen dem immanenten Inter- 
esse der keimenden soziologischen Wissenschaft und dem „Fremdinteresse‘“, das andere 
Wissenschaften und die Praxis des Lebens an der Entwicklung der Soziologie besitzen, 
Das erstere ist auf langsames Reifen von innen heraus gerichtet, während die legteren 
Mächte mit begreiflicher Ungeduld für ihre Zwecke sofort Früchte ernten möchten. Die 
in diesem Zusammenhang unternommenen Versuche, die bestehenden Lücken der Er- 
kenntnis gleichsam auf eigene Faust durch ein beschleunigtes Verfahren auszufüllen, 
können, wie schon früher bemerkt, nur einen vorläufigen Wert beanspruchen. Die 
Erwartungen, die man in dieser Hinsicht auf die Soziologie als eine alles erklärende
	        
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